Auf Schatzsuche im Mikrokosmos

21. Mai 2015, 20:08
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Reise in die Wunderwelt des Planktons: Forscher kehren von einer mehrjährigen Expedition mit einer gewaltigen Datenmenge zurück

Paris/Wien - Dreieinhalb Jahre sind sie über die Meere gefahren und haben Beute in einem Ausmaß gemacht wie noch niemals jemand zuvor. In marktschreierische Doku-Serien à la "Extreme Angler TV" werden sie es trotzdem nicht schaffen.

foto: a.deniaud/tara expéditions
Die Tara im Arktischen Ozean, einer von 210 Stationen ihrer Weltreise.

Dafür widmet das ehrwürdige Wissenschaftsmagazin "Science" einen Großteil seiner aktuellen Ausgabe dem internationalen Forscherteam, das mit dem Schoner Tara unterwegs war, um die lichtdurchfluteten obersten Regionen der Ozeane nach Plankton abzugrasen. Hinter diesem unscheinbaren Sammelbegriff verbirgt sich ein Mikrokosmos aus Tieren, Pflanzen, Bakterien und anderen Einzellern, die den Stammbaum des Lebens in seiner gesamten Bandbreite repräsentieren und deren einzige Gemeinsamkeit die geringe Größe ist.

foto: christian sardet/cnrs/sharif mirshak/parafilms/tara expeditions
Sapphirina, ein parasitisch lebender Ruderfußkrebs.

Dabei stellten die Forscher eine Fülle des Lebens fest, die alle Erwartungen übertroffen hat. Ein paar Zahlen: 35.000 Planktonproben wurden entnommen. Daraus konnte ein erster genetischer Katalog erstellt werden, der über 40 Millionen Gene umfasst - die meisten davon bislang unbekannt. Erste Einschätzungen der genetischen Vielfalt kommen auf etwa 150.000 verschiedene genetische Typen von Eukaryoten - also von Lebewesen mit einem Zellkern -, was bedeutend mehr sind, als bislang in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben wurden.

foto: m. ormestad/kahikai/tara oceans
Was wie eine Mini-Raumstation aussieht, ist ein Flohkrebs der Gattung Phronima.

Obwohl "Science" gleich fünf Studien mit ersten Auswertungen der Expedition parallel veröffentlicht hat, ist das kaum die Spitze des Eisbergs. Die gesammelten Daten werden die Wissenschaft noch jahrzehntelang beschäftigen. Relevant sind sie für das Verständnis der ozeanischen Nahrungsketten und Stoffkreisläufe ebenso wie für die Klimaforschung - immerhin entfällt die Hälfte der globalen Sauerstoffproduktion auf Photosynthese betreibendes Plankton.

foto: foto: christian sardet/cnrs/tara expéditions
Photosynthese auf kleinster Ebene: eine Kieselalge der Spezies Lauderia annulata mit den in ihr eingeschlossenen Chloroplasten.

In einem Begleitkommentar zu den Studien schreiben die Meeresbiologen Stephen Palumbi und E. Virginia Armbrust von einem Schatz, der nun für jeden bereitliegt, der in die Flut an Daten eintauchen mag. (jdo, DER STANDARD, 22.5.2015)

  • Von der winzigen Hinterkiemerschnecke, die aussieht wie ein Satz Dumbo-Ohren, und Ruderfußkrebsen (oben) bis zu einem Baby-Kalmar, umgeben von Krebstieren und einer weiteren Meeresschnecke (unten): All das und noch viel mehr fassen wir mit dem unscheinbaren Wort Plankton zusammen.
    foto: christian sardet/cnrs/tara expéditions

    Von der winzigen Hinterkiemerschnecke, die aussieht wie ein Satz Dumbo-Ohren, und Ruderfußkrebsen (oben) bis zu einem Baby-Kalmar, umgeben von Krebstieren und einer weiteren Meeresschnecke (unten): All das und noch viel mehr fassen wir mit dem unscheinbaren Wort Plankton zusammen.

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    foto: christian sardet/cnrs/tara expéditions
  • Eine Probe aus dem Pazifik mit Larven verschiedener vielzelliger Tiere sowie einzelligen Eukaryoten wie Dinoflagellaten und Strahlentierchen.
    foto: christian sardet/cnrs/tara expéditions

    Eine Probe aus dem Pazifik mit Larven verschiedener vielzelliger Tiere sowie einzelligen Eukaryoten wie Dinoflagellaten und Strahlentierchen.

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