Lücke bei Versorgung psychisch Kranker in Niederösterreich

21. Mai 2015, 18:00
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Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung auf Kasse nur zu einem Drittel gedeckt

St. Pölten / Wien – Niederösterreich hat 1995 einen Psychiatrieplan erstellt und Maßnahmen zur Dezentralisierung der Versorgung beschlossen, doch 20 Jahre später beschäftigte den Landtag "dringender Handlungsbedarf" in der Sache. Da waren sich bei der Landtagssitzung in St. Pölten am Donnerstag alle Fraktionen einig. Sie nickten einstimmig einen Antrag zum Ausbau der psychiatrischen Versorgung im Land ab.

Sowohl der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung auf Kasse als auch der Bedarf an psychiatrischen Fachärzten mit Kassenverträgen im niedergelassenen Bereich sind derzeit nur zu einem Drittel erfüllt. Diese Unterversorgung führt laut Andreas Schneider vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (Nögus) zu längeren Wartezeiten oder dazu, dass es in manchen Regionen gar keine Versorgung im niedergelassenen Bereich gebe. "Zugleich hat die Zahl der Betreuungsbedürftigen zugenommen", sagte Schneider dem STANDARD.

Psychiatriekoordinationsstelle gefordert

Allgemeinärzte mit Spezialisierung auf Psychiatrie könnten einen Teil abdecken, doch fehlende Fachärzte nicht ersetzen. Es sei wichtig, dass Patienten mit psychischen Problemen oder Erkrankungen im Sinne der Inklusion und Partizipation zu Hause bleiben und behandelt werden können und nicht stationär aufgenommen werden müssen.

Schneider fordert eine Psychiatriekoordinationsstelle im Land und das Einbeziehen professionalisierter Betroffener und Angehöriger zur Weiterentwicklung und Planung der Versorgung. 2012 waren laut Nögus 15.000 Niederösterreicher wegen einer psychischen Problematik 50 Tage lang arbeitsunfähig. (spri, 21.5.2015)

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