Heta drohen massive Belastungen an allen Fronten

22. Mai 2015, 05:30
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Durch das jüngste Urteil im Streit mit Bayern wackeln in der Heta 1,6 Milliarden Euro Eigenkapital. Dazu kommen Wickel in Italien und Südosteuropa

Wien – Bilanzieren bei der Hypo Alpe Adria war jahrelang ein Hochseilakt – das hat sich auch nicht geändert, seit aus der Bank die Abwicklungsgesellschaft Heta geworden ist. Am Dienstagabend wurde bekannt, dass die Veröffentlichung der ersten Heta-Bilanz erneut vertagt werden muss; nun wird der Juni angepeilt.

Als Grund wurden "notwendige Arbeiten und zu klärende bilanzielle und rechtliche Fragestellungen" nach "neuen Entwicklungen in anhängigen Gerichtsverfahren", angegeben. Die Heta hat ja in erster Instanz das Eigenkapitalersatzverfahren in München verloren; es geht um mehr als zwei Milliarden Euro, die sie nicht an die BayernLB rückzahlen will.

Hinter den Kulissen ist es in der zweitägigen Aufsichtsratssitzung am Mittwoch und Donnerstag recht hoch hergegangen, zwischen Vorstand, Kontrolloren und Wirtschaftsprüfern. Die Heta wird von Ernst & Young und KPMG geprüft ("joint-audit"), und die haben jede Menge Kontroll- und Risikoschalter eingebaut.

Gesetze als Stolperstein

Neben der Eigenkapitalthematik geht es vor allem um die Frage, wie die Auswirkungen des Hyposanierungsgesetzes (HaaSanG; sieht den Schnitt der nachrangigen Verbindlichkeiten vor) und des Bankenabwicklungsgesetzes (BaSAG) rechnerisch im Zahlenwerk der Heta verbucht werden müssen. Seit 1. März wird die Heta ja abgewickelt und darf bis Juni 2016 keine Schulden refundieren.

Aus dem Schuldenschnitt im Sommer 2014 hat sich laut Involvierten ein positiver Eigenkapitaleffekt von 1,6 Milliarden Euro ergeben, der auch eingebucht worden ist – ungeachtet der Aussichten, dass der Verfassungsgerichtshof das Gesetz wieder kippen könnte. Die neue rechtliche Lage durch das deutsche Urteil, das auch die Anwendung des HaaSanG nicht anerkennt, bringt diesen Effekt nun zum Wackeln.

Kommunizierende Gefäße

Was die Bilanzierung zudem erschwert sind die Kreuz- und Querverbindungen zu den einstigen Tochterbanken Hypo Italien und zur Südosteuropa-Holding (SEE). Sie wurden ja selbstständige Gesellschaften, die SEE-Holding soll bis Ende Juni endgültig verkauft sein. Allerdings hat die Heta noch 1,7 Milliarden Euro in der Hypo Italien stecken - wie stark die abzuschreiben sind, darüber gab es, wie berichtet, in der Heta schon vor Wochen Uneinigkeit. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die Heta einen Großteil der Forderung wertberichtigen wird. Der Eigentümer (letztlich: das Finanzministerium) bestehe darauf, dass in den nun erstellten Bilanzen wirklich alle möglichen Risiken abgebildet werden, sagen Informierte.

Verlustverschiebung

Was das für die Hypo Italien, die gemäß Vorgabe von Italiens Aufsicht keine Bad Bank werden darf, bedeutet: rote Zahlen und Bedarf an einer Geldspritze aus Wien.

Auch die SEE-Holding wird einen Verlust ausweisen, es könnte um 400 bis 500 Millionen Euro gehen. Frankenkredite schlagen sich da ebenso nieder wie weitere Beteiligungsabwertungen. Der Verlust könnte aber noch an die Heta verschoben werden. Denn: Käufer US-Fonds Advent und EBRD haben das vertragliche Recht, weitere risikobehaftete Assets in die Ex-SEE-Mutter Heta zu verschieben. Dann allerdings detoniert der Verlust in der Heta. Entsprechende Nachverhandlungen zum Verkaufsvertrag werden bereits geführt. (Renate Graber, 22.5.2015)

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