Banken sehen Herausforderung ins Auge

27. Mai 2015, 09:00
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Die klassischen Banken vertrauen auf einen Schutzwall aus neuen Filialkonzepten sowie eigenen Lösungen für mobiles Banking

Wien - Während Herausforderer wie Google oder Apple oder die zahlreichen Start-ups auf tektonische Verschiebungen im Bereich Finanzdienstleistungen hoffen, sieht sich Österreichs Bankenbranche gut gewappnet für deren Ansturm. Etwa Erste-Group-Privatkundenvorstand Peter Bosek, der die Entwicklung gewissermaßen nach dem Prinzip "Konkurrenz belebt das Geschäft" auslegt, wenn er sagt: "Wir müssen Bankgeschäfte stärker zu Dienstleistungen entwickeln." Dabei können Banken seiner Ansicht nach von den Technologie- und Internetgrößen lernen, etwa hinsichtlich Komfort und Bedienbarkeit.

"Die Kunden sollen es möglichst angenehm haben und Bankgeschäfte effizient erledigen können", erklärt Bosek im Gespräch mit dem STANDARD. In diesem Punkt sieht er Nachholbedarf, denn "bisher waren Banken nicht das Zentrum der Innovationskraft. Früher mussten sich Kunden nach der Bank richten, jetzt ist es umgekehrt." Als Beispiel führt er die Filial-Öffnungszeiten an. "Wir verändern uns, das ist dringend notwendig. Ob die Richtung stimmt, entscheidet der Kunde."

Auf die leichte Schulter nimmt Bosek die Konkurrenz von Apple & Co aber nicht: "Genau das wird konkurrenzmäßig die größten Auswirkungen haben." Allerdings werde der neue Mitbewerber wegen der hohen regulatorischen Anforderungen nicht die ganze Dienstleistungspalette anbieten können. Von den Start-ups sieht er nur wenig Gefahr ausgehen: "Die kleinen Unternehmen werden die Bankenwelt kaum verändern."

Digital- und Filialstrategie

Die Erste Group sieht Bosek gut aufgestellt. Bei Online- bzw. mobilem Banking sorge die neue Plattform "George", die binnen vier Monaten mehr als 200.000 User gewinnen konnte, durch neues Design für einen hohen Individualisierungsgrad: "Der Kunde kann George gestalten, wie er will." Zudem denkt die Plattform gewissermaßen mit und meldet etwa Auffälligkeiten im Zahlungsverkehr wie eine ungewöhnlich hohe Handyrechnung.

Zudem verweist Bosek auf das neue Filialkonzept. In Wien soll es künftig 15 großräumige Beratungszentren geben, ähnlich der Pilotfiliale am Floridsdorfer Spitz. Dazu kommen kleinere Servicefilialen an viel frequentierten Plätzen. "Es ist wichtiger, wo sich die Filialen befinden, als wie viele es gibt."

Weiter vorangeschritten ist der Filialumbau bei der Bank Austria, die bis Juni 20 von geplanten 100 Filialen das neue Design übergestülpt haben wird. Gemeinsam mit neuen Bezahllösungen wie Mobile Wallet, wodurch mit dem Handy kontaktlos bezahlt werden kann, fühlt sich Vorstand Helmut Bernkopf für die Zukunft gut gewappnet: "Beim Thema mobiler Zahlungsverkehr fürchten wir die Konkurrenz neuer Anbieter im Internet nicht, da wir als Banken vor allem für das Thema Sicherheit stehen."

Wettbewerbsvorteil Sicherheit

Auch im Hause Raiffeisen gilt Sicherheit und Vertrauen als Wettbewerbsvorteil gegenüber neuen Mitbewerbern, die man angesichts des eigenen Online- und Mobilangebots nicht fürchten müsse. "Wir leben in permanenter digitaler Evolution", sagt Geschäftsführer Walter Mösenbacher von Raiffeisen E-Force, "Banken, wie wir sie heute kennen, wird es auch in Zukunft geben." (Alexander Hahn)

  • Wenn es nach den Internet- und Technologiekonzernen geht, sehen Banken in Zukunft Smartphones zum Verwechseln ähnlich. Die Bankbranche hält mit neuen Filialkonzepten dagegen.
    foto: reuters

    Wenn es nach den Internet- und Technologiekonzernen geht, sehen Banken in Zukunft Smartphones zum Verwechseln ähnlich. Die Bankbranche hält mit neuen Filialkonzepten dagegen.

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