16-jähriger IS-Heimkehrer als Zeuge vor Gericht

21. Mai 2015, 15:55
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Gleichaltrige, die sich bemüht haben soll, ihm bei der Suche nach einer Frau zu helfen, angeklagt

Wien – Der 16-jährige Wiener Lehrling, der im vergangenen August ins syrische Bürgerkriegsgebiet aufgebrochen war und sich dem bewaffneten Jihad angeschlossen hatte, wird am Dienstag einen ersten Gerichtsauftritt absolvieren – allerdings nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge. Wie "Die Presse" in ihrer Freitagsausgabe berichtet, muss sich ein 16-jähriges Mädchen wegen Vorwürfen der Unterstützung für die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) verantworten. Sie soll im vergangenen Dezember versucht haben, sich per Bus in die syrischen Kampfgebiete durchzuschlagen.

Darüber hinaus soll sie zuvor Kontakt zu dem gleichaltrigen, bereits in Syrien befindlichen jungen Mann gehalten und ihm angekündigt haben, sie werde ihn bei der Suche nach einer Frau unterstützen, die bereit sei, nach Syrien auszureisen, um zu ihm in den Jihad zu ziehen.

Mutter nahm Reisepass ab

Der Ausreiseversuch der 16-Jährigen war gescheitert, weil die Mutter ihr den Reisepass abnahm. Sie konnte daher nicht jenen Mann begleiten, den sie nach islamischem Recht geheiratet hatte – dieser soll laut "Presse" ein IS-Terrorcamp absolviert haben. Vor einem neuerlichen Versuch, außer Landes zu gelangen, wurde die 16-Jährige Ende Februar festgenommen.

U-Haft verlängert

Das Wiener Straflandesgericht hat unterdessen die U-Haft für den 16-jährigen Lehrling um zwei weitere Monate verlängert. Das gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Donnerstag bekannt. Der junge Mann war Mitte März unter abenteuerlichen Umständen zurückgekehrt.

Die Haftgründe, Tatbegehungs- und Fluchtgefahr, seien weiter aufrecht, sagte Salzborn. Die Staatsanwaltschaft bereitet gegen den Burschen eine Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Ausbildung für terroristische Zwecke und Aufforderung zu terroristischen Straftaten vor.

Rückkehr nach Verletzungen

Bei der Schlacht um die nordsyrische Stadt Kobane wurde der Lehrling seiner Aussage zufolge vom IS als Rettungsfahrer eingesetzt. Nicht zuletzt unter dem Eindruck von lebensgefährlichen Verletzungen, die er bei einem Bombenangriff auf Raqqa erlitt, entschloss sich der Bursche zur Rückkehr nach Wien, wo im Oktober ein internationaler Haftbefehl erlassen worden war. (APA, red, 21.5.2015)

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