Von Getreide zum digitalen Geld: Auch Unbares ist Wahres

28. Mai 2015, 09:00
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Zahlungsmittel haben sich im Lauf der Geschichte mehrmals gewandelt, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden

Wien – Immer mehr Staaten setzen der Verwendung von Bargeld immer engere Grenzen wie etwa Frankreich mit einem Limit von 1000 Euro für Bargeschäfte. Kritiker vermuten dahinter längst einen "Krieg gegen das Bargeld". Sollten sich bare Zahlungsmittel tatsächlich als Auslaufmodell erweisen, wäre es nicht das erste Mal, dass sich Gesellschaften anderen Zahlungsformen zuwenden – wobei diese Entwicklung stets durch die Erfordernisse der jeweiligen Zeit begründet waren.

Schon im Tauschhandel des Altertums haben sich Waren wie Getreide oder Vieh herauskristallisiert, welche als Tauschmittel eingesetzt wurden. Abgelöst wurden diese durch das erste wirkliche Geld, das zwischen 650 und 600 v. Chr. im Reich der Lyder in Form von Goldmünzen herausgegeben wurde. Dieses vereinfachte den Handel enorm, schließlich sind Münzen wesentlich handlicher, müssen nicht gefüttert werden und verderben auch nicht. Aber spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde Vertrauen in Geld ein Faktor für dessen Akzeptanz, wie die nächsten Jahrhunderte zeigen sollten.

Geldvermehrung

Im Lauf der Zeit haben sich diverse Machthaber an der wundersamen Geldvermehrung versucht, was zu wirtschaftlichen Verwerfungen führte. Ihren Höhepunkt erreichten diese Machenschaften während des Dreißigjährigen Krieges in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als Löcher in den Staatskassen durch die Ausgabe geringerwertiger Münzen, denen Kupfer, Zinn oder Blei beigemengt wurde, gestopft werden sollten.

Etwa zu dieser Zeit setzte das Papiergeld zu seinem Siegeszug an, da Edelmetallmünzen wegen steigenden Handels- und Transaktionsvolumens immer unpraktikabler wurden. Ursprünglichen verbrieften Banknoten bloß einen Anspruch auf Münzen, später etablierte sich daraus das Zentralbanksystem mit Goldstandard.

Der Geldschein trügt

Sämtliche von einer Notenbank ausgegebenen Geldscheine müssen durch das Edelmetall gedeckt sein, wie es im Jahr 1844 als Erstes für die Bank of England verfügt wurde – aus gutem Grund, wie in Deutschland die galoppierende Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte. Ursache war das Drucken ungedeckten Geldes zur Begleichung der Reparationszahlungen. Dennoch wurde Anfang der 1970er-Jahre mit der Aufgabe des Bretton-Woods-Systems die Goldbindung gänzlich abgeschafft.

Zuletzt kam immer lautere Kritik an Bargeld auf, wonach es Terrorismus und illegale Machenschaften fördere und außerdem hohe volkswirtschaftliche Kosten erzeuge. Bargeldverfechter, egal ob sie an Geldscheinen und Münzen aus nostalgischen Gründen oder aus der Angst vor staatlicher Überwachung hängen, halten dagegen. Beide Seiten sollten sich aber eines stets vergegenwärtigen: Ohne das Vertrauen der Bürger war bisher jede Geldform dem Untergang geweiht. (aha, 22.5.2015)

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    foto: apa
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