Trotz guten Deutschs: Schulanfänger als förderbedürftig eingestuft

22. Mai 2015, 05:30
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900 außerordentliche Schüler in Salzburg, um Deutschförderkurse zu bekommen

Salzburg – Keine Noten trotz guten Deutschs: Immer wieder leiden Eltern und Schulanfänger darunter, dass sie den Stempel als außerordentliche Schüler aufgedrückt bekommen. In der Stadt Salzburg würden jedes Jahr rund 900 der insgesamt 1.300 Schulanfänger als Schüler mit außerordentlichem Förderbedarf eingestuft, kritisiert Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) – obwohl viele davon sehr gut Deutsch sprechen.

Sie dürfen am Unterricht teilnehmen, werden aber nicht benotet. Viele Direktoren würden die Kinder als außerordentlich einstufen, um überhaupt zusätzliche Deutschförderkurse zu bekommen. "Das ist Diskriminierung", betont Hagenauer und bezeichnet das Gesetz als veraltet. Eine gewisse Anzahl an zusätzlichen Deutschkursen müsse es geben, ohne den Kindern einen Stempel aufzudrücken. "Jetzt muss man den Kindern ein Mascherl umhängen, nur um Förderkurse zu bekommen", ärgert sich Hagenauer. Die Vizebürgermeisterin habe das auch bereits beim Bund anklingen lassen, mit wenig Erfolg.

Aus dem Amt der Salzburger Landesregierung heißt es, für das kommende Schuljahr werden laut dem vorläufigen Stellenplan 1.445 Schulanfänger erwartet. 693 davon werden im Herbst als außerordentliche Schüler aufgenommen.

Ein Rucksack voller Sprache

"Es gibt Kinder, die sind hier geboren, können gut Deutsch und werden nur aufgrund ihres Namens zu außerordentlichen Schülern", berichtet die Kindergartenleiterin Helga Walkner von ihren Erfahrungen. Viele der Kinder würden seit drei Jahren das Sprachförderprojekt "Rucksack" im Kindergarten besuchen und deshalb hervorragend Deutsch sprechen. Dabei helfen sogenannte Stadtteilmütter mit Migrationshintergrund anderen Eltern mit Migrationshintergrund, ihren Kindern Deutsch und die eigene Muttersprache beizubringen. Viele "Rucksack"-Eltern hätten sich schon verzweifelt an die Stadtteilmütter gewandt und verstünden die Welt nicht mehr.

Das Integrationsmodell "Rucksack" wurde 2007 eingeführt, rund 2.000 Familien in 18 Kindergärten wurden bisher betreut. Abgeschaut haben Hagenauer und Walkner das Projekt in Essen. Die Stadtteilmütter unterstützen die Kinder und Eltern und nehmen mit ihnen Sprachübungen durch. Die Übungen werden dann von den Kindern zu Hause mit den Eltern in ihrer Muttersprache geübt. Im Kindergarten werden die spielerisch gestalteten Aufgaben dann noch auf Deutsch behandelt.

Auch Eltern lernen mit

Der "Rucksack" sei zwar primär eine Sprachförderung für die Kinder, aber so ganz nebenbei würden auch die Eltern besser Deutsch lernen, erläutert Walkner. In diesem Jahr wurde das Modell um eine spezielle "Rucksack"-Elternschule erweitert, um die Eltern noch bessern einzubeziehen. Die Eltern lernen Dinge in verschiedenen Bereichen, etwa wie man mit Ängsten umgeht oder Grenzen setzt. Burnout-Prävention und Ernährung stehen ebenfalls auf dem Programm der Elternschule, die in Zusammenarbeit mit dem Kontakt- und Kommunikationszentrum für Kinder (Koko) stattfindet.

Die Stadtteilmütter sind auch eine wichtige Unterstützung und Vertrauenspersonen für die Eltern. Sie begleiten diese zu Veranstaltungen und Fortbildungsangeboten oder geben Tipps im Alltag. Die sechs Stadtteilmütter sind beim Magistrat halbtags angestellt. Seit Herbst besteht zudem eine Kooperation mit der Stiftung Mozarteum. Die "Rucksack"-Gruppen erhalten die Möglichkeit, kostenlos die "Lauschkonzerte" des Mozarteums zu besuchen. (Stefanie Ruep, 21.5.2015)

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