E-Mails: Anbiederung von Journalisten an syrische Elite

21. Mai 2015, 15:07
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Deutscher Journalist Todenhöfer in der Kritik: In E-Mails nennt er eine syrische Presseverantwortliche "Prinzessin" und gratuliert Assad zu seiner Politik

Die libanesische Nachrichtenwebsite "NOW" hat vor wenigen Tagen ein ganzes Bündel an E-Mails aus dem inneren Führungszirkel des syrischen Regimes veröffentlicht. "NOW" hatte eine Menge Dokumente zugespielt bekommen, deren Ursprung dem Medium zufolge die syrische Opposition ist.

Bereits im Jahr 2012 veröffentlichte das britische Medienhaus "Guardian" zahlreiche E-Mails aus dem näheren Umfeld des syrischen Herrschers Bashar al-Assad. Die nun von "NOW" veröffentlichten E-Mails sollen umfangreicher als die vom "Guardian" veröffentlichte Sammlung sein. Die E-Mails wurden von "NOW" in neun Themenbereiche unterteilt.

Interviewanfragen und Warnungen

Einer der neun Themenkomplexe konzentriert sich auf das Verhältnis des Regimes zu ausländischen Journalisten. In den E-Mails finden sich viele alltägliche Interviewanfragen an Assad. Einige Journalisten gingen allerdings offenbar weiter, als es die Professionalität zulässt. Da warnt zum Beispiel eine libanesisch-britische Journalistin das Regime vor eventuellen Angriffen des Hacker-Kollektivs Anonymous.

Journalist Todenhöfer und die "Prinzessin"

Auch der deutsche Publizist und ehemalige CDU-Abgeordnete Jürgen Todenhöfer wird namentlich genannt. Zuletzt sorgte Todenhöfer mit seiner Reise zur Terrormiliz "Islamischer Staat" für Aufsehen. Laut den von "NOW" veröffentlichten E-Mails hat sich Todenhöfer Assad gegenüber freundlich gesinnt gegeben, um ein Interview mit dem syrischen Präsidenten zu bekommen.

"NOW" veröffentlichte E-Mails, die Todenhöfer zwischen Dezember 2010 und Jänner 2011 an Sheherazad Jaafari schrieb. Die damals 21-jährigen Medienberaterin Assads bezeichnet Todenhöfer als "faszinierende Prinzessin". In einem anderen E-Mail warnt er vor fehlender Sicherheit der Kommunikationswege. "Ich habe einige großartige Ideen für Sie und Ihr Land. Aber unglücklicherweise sind E-Mails nicht vertraulich. Deswegen muss ich warten, bis ich Sie persönlich treffe." Dem syrischen Herrscher gratuliert er anlässlich einer Amnestie zur "richtigen Strategie".

Todenhöfer: "Uraltkamelle"

Todenhöfer hat gegenüber "Spiegel Online" die Echheit der E-Mails bestätigt. Er habe damals versucht, ein Fernsehinterview mit Assad zu bekommen. Das Interview ist auch am 5. Juli 2012 zustande gekommen. Wenige Tage später wurde es von der ARD ausgestrahlt. Todenhöfer spricht gegenüber "Spiegel Online" von einer "Uraltkamelle". Er habe bereits selbst diese E-Mails in seinem vorletzten Buch geschildert, weil er nichts zu verbergen habe. (red, 21.5.2015)

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