Steuerreform: Kein Freibier mehr für Brauerei-Mitarbeiter

21. Mai 2015, 12:27
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Bisher wurden Mitarbeiterrabatte steuerfrei behandelt, solange das argumentiert werden konnte. Ab 2016 gibt es Änderungen

Wien – Die Steuerreform bringt auch Änderungen bei Mitarbeiterrabatten. Bisher wurden Rabatte steuerfrei behandelt, solange das argumentiert werden konnte. Ab 2016 aber sind Mitarbeiterrabatte nur mehr unter besonderen Bedingungen für den Arbeitnehmer steuerfrei, heißt es von der Interbilanz Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Maximal möglich sind zehn Prozent Rabatt vom Normalpreis.

Zudem muss der Rabatt allen oder zumindest bestimmten Gruppen von Arbeitnehmern gewährt werden. Wird dem Mitarbeiter ein Rabatt von zehn Prozent gewährt, muss der Dienstgeber für jeden Dienstnehmer einzeln aufzeichnen, wie hoch alle gewährten Rabatte in einem Jahr sind. Nur ein Betrag bis 500 Euro bleibt künftig den Regierungsplänen zufolge steuerfrei.

Als Beispiel rechnet die Interbilanz vor: Wird ein Fahrzeug mit einem Listenpreis von 20.000 Euro an Kunden mit einem Rabatt von maximal zehn Prozent – also um 18.000 Euro – verkauft, darf der Mitarbeiter maximal 1.800 Euro, also zehn Prozent vom sogenannten Vergleichswert, zusätzlichen Rabatt bekommen, damit keine Steuerpflicht eintritt. Bekommt der Mitarbeiter das Fahrzeug aber beispielsweise um 15.000 Euro, liegt ein "schädlicher" Mitarbeiterrabatt in Höhe von 1.200 Euro vor, da ein Rabatt von 3.000 Euro gegeben ist, der die Grenze von 1.800 Euro übersteigt. Versteuern muss der Dienstnehmer in diesem Fall 2.500 Euro. Die Versteuerung ist über die Lohnverrechnung durch den Dienstgeber vorzunehmen.

Üblicher Verkaufspreis

Als Vergleichswert ist der übliche Verkaufspreis an Letztverbraucher heranzuziehen. Ein besonders hoher Rabatt im Einzelfall durch Verhandlungsgeschick des Kunden hilft dem Mitarbeiter nichts, so die Interbilanz. Auch Großabnehmer-Rabatte können nicht herangezogen werden. Gibt es einen generellen Abverkauf wird der reduzierte Verkaufspreis als Vergleichswert herangezogen.

Interbilanz-Steuerexperte Christoph Schmidl erwartet sich darob deutlich mehr Administrationsaufwand für die Arbeitgeber, aber nur geringe Mehreinnahmen für den Staatssäckel. "Es ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen ihren Mitarbeitern nur mehr maximal zehn Prozent Rabatt gewähren, um sich die Umstände mit der jeweiligen Aufzeichnung und Verrechnung zu ersparen. Folglich könnte sich die Besteuerung der Mitarbeiterrabatte auch negativ auf den Konsum auswirken", sagt Schmidl.

Auch der Haustrunk, den Brauereien Mitarbeitern oft als "Freibier" gewähren, und das Molkereien-Pendant Freimilch sowie die Beförderung der eigener Dienstnehmer bei Beförderungsunternehmen wie den ÖBB sowie Nachlässe bei Versicherungsprämien, die bisher nicht als Entgelt galten, fallen künftig unter die Neuregelung der Mitarbeiterrabatte. (APA, 21.5.2015)

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