Salzburg: Die Angst vor dem Flüchtling von nebenan

22. Mai 2015, 10:21
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Hausverwaltung empfiehlt Anrainern der Salzburger Flüchtlingszelte, sicherheitshalber die Fenster zu schließen

Salzburg – Die Salzburger Hausverwaltung Dr. Gerlich empfiehlt den Bewohnern und Bewohnerinnen eines von ihr betreuten Objekts per Aushang, sicherheitshalber die Fenster zu schließen, weil in der Nachbarschaft Flüchtlinge in einer Zeltstadt untergebracht seien. Die Warnung sei auf Bitten einer Hausbewohnerin ausgesprochen worden, heißt es auf dem Aushang, der seit Wochenbeginn in dem Wohnhaus hängt. Die Adresse Fischer-von-Erlach-Straße/Erentrudisstraße ist übrigens drei Straßenzüge von dem Zeltlager bei der Salzburger Bundespolizeidirektion entfernt.

Das Foto des Aushangs ist via Facebook-Eintrag der Salzburger Gemeinderatsfraktion der Neos zugespielt worden. Neos-Gemeinderat Sebastian Huber ist ziemlich entsetzt: "Dieses Flugblatt ist unwürdig. Es schürt Klischees und Ängste. Damit leistet man Fremdenfeindlichkeit Vorschub, indem man traumatisierte Flüchtlinge unter Generalverdacht stellt. Von dieser Immobilienfirma hätten wir das nicht erwartet."

Aushang entfernt

Was Huber mit "dieser Immobilienfirma" meint: Der Geschäftsführer ist in Salzburg kein Unbekannter. Peter Genser ist ÖVP-Wirtschaftsbundfunktionär und Vizepräsident der Salzburger Wirtschaftskammer. Genser sagte in einer Stellungnahme Freitagvormittag, dass der Aushang weder seinem persönlichen Menschenbild, noch dem des Unternehmens entspreche und umgehend abgehängt werde.

Eine Bewohnerin des betroffenen Wohnobjektes habe ein Lehrmädchen des Unternehmens zu dem Aushang verleitet beziehungsweise genötigt. "Das Mädchen hat dem Wunsch der Frau Folge geleistet, aber das mit niemandem abgesprochen", sagte Genser. Er habe sofort veranlasst, dass der Aushang zum ehestmöglichen Zeitpunkt entfernt wird.

Zeltstadt leert sich

Die Zeltstadt am Polizeisportplatz hat sich derweilen ziemlich geleert. Donnerstagmittag befanden sich nur noch zwölf Flüchtlinge in den Zelten, in der Früh waren es noch 32. Das könne sich aber immer wieder ändern, erläutert Polizeisprecherin Eva Wenzl. Durch den starken Regen in Salzburg sei der gesamte Sportplatz bereist mit Wasser vollgesogen. Vorsorglich und aufgrund der schlechten Prognose die nächsten Tage wurden am Vormittag, wie auch zuvor in Linz, Holzplatten am Boden verlegt.

Wann die Flüchtlinge in Salzburg endgültig im Trockenen sitzen werden ist weiterhin unklar. "Wahrscheinlich werden wir ähnlich kurzfristig, wie die Maßnahme gekommen ist auch von ihrem Ende erfahren", sagt Polizeisprecherin Eva Wenzl. (Thomas Neuhold, Stefanie Ruep, derStandard.at 21.5.2015)

  • Aushang der Hausverwaltung Dr. Gerlich in einem von ihr betreuten Salzburger Wohnhaus.
    foto: neos

    Aushang der Hausverwaltung Dr. Gerlich in einem von ihr betreuten Salzburger Wohnhaus.

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