Psychische Erkrankungen nach wie vor stigmatisiert

21. Mai 2015, 11:17
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Bei einem Drittel der Betroffenen wird die Erkrankung gar nicht erst diagnostiziert, heißt es vom Verein ganznormal.at

In Österreich sind rund 900.000 Menschen in psychischer oder psychiatrischer Betreuung. Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher sein: Man geht davon aus, dass mindestens 1,2 Millionen Österreicher psychisch erkrankt sind. Denn bei einem Drittel der Betroffenen wird die Erkrankung nicht diagnostiziert.

Diskussion fördern

Der Verein ganznormal.at informiert deshalb über die wachsenden Herausforderungen im Bereich der Versorgung von psychischen Erkrankungen, die Gründe von Nichtdiagnose von psychischen Erkrankungen und deren volkswirtschaftlichen Folgen zu sprechen. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion über seelische Gesundheit zu fördern, um damit eine Enttabuisierung und die Gleichstellung zwischen physischen und psychischen Erkrankungen voranzutreiben.

"Irgend einmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und sie mahnen, dass der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische Hilfeleistung hat wie bereits jetzt auf lebensrettende chirurgische Eingriffe. Es mag lange dauern, bis der Staat diese Pflichten als dringende empfindet, (...), aber irgendeinmal wird es dazu kommen müssen", zitiert Vereinsvorsitzender Christian Deutsch aus Sigmund Freuds "Wege der psychoanalytischen Therapie" (1919).

Versorgung optimieren

Laut ganznormal.at sei auf Grund der demografischen Entwicklung und der sozialen Verhältnisse die Finanzierung der Betreuungsnetze bereits jetzt am Limit. Im Bereich der Abstimmung der bestehenden Ressourcen, durch Vorsorge und Früherkennung sei aber eine Optimierung der Versorgungssituation möglich.

Dabei kommt vor allem der Entstigmatisierung und Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen eine große Bedeutung zu, um Betroffenen die Scheu zu nehmen, frühzeitig Hilfe und Unterstützung zu suchen "Es ist Zeit, ganz normal darüber zu reden", so das Credo des Vereins. (red, 21.5.2015)

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