Germanwings-Foto: Presserat rügt "Krone" und "Österreich"

21. Mai 2015, 10:59
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Zeitungen veröffentlichten das Bild eines Unbeteiligten als vermeintlichen Co-Piloten - Verstoß gegen Genauigkeit und Persönlichkeitsschutz

Wien - Der österreichische Presserat rügt die "Kronen Zeitung" und "Österreich". Auf der Titelseite der "Kronen Zeitung" und in der Tageszeitung "Österreich" vom 27. März 2015 wurde ein Foto eines unbeteiligten jungen Mannes als vermeintlicher Copilot des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs abgedruckt.

Nach Ansicht des Presserates verstoßen diese Bildveröffentlichungen gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. Das gab das Selbstkontrollorgan der Branche in einer Aussendung bekannt.

Unverpixelt

Das Gesicht des Abgebildeten wurde von den Zeitungen nicht verpixelt. Eine Leserin wandte sich an den Presserat und kritisierte, dass das Bild nicht den betreffenden Copiloten, sondern einen unbeteiligten Dritten zeige.

"Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner erklärte dem STANDARD, dass die Redaktion sich auf eine Agentur verlassen habe, die das Foto anbot. Individuelles Nachprüfen eines international verbreiteten Fotos wäre kaum möglich, so Fellner. Das Foto kursierte in sozialen Medien und wurde etwa auch in den ARD-"Tagesthemen" gezeigt - dort allerdings verpixelt.

"Krone" bedauerte

Auf der Titelseite der "Kronen Zeitung" wurde das beanstandete Foto am 28. März 2015 klein und dieses Mal verpixelt mit einem kurzen Begleittext mit der Überschrift "'Ich wurde mit dem Copiloten verwechselt'" noch einmal gebracht und der Fehler eingestanden.

Laut Presserat handle es sich bei den Abbildungen um "schwerwiegende Verstöße gegen die Punkte 2 (Genauigkeit) und 5 (Persönlichkeitsschutz des Abgebildeten) des Ehrenkodex".

Die "Kronen Zeitung" und "Österreich" wurden 2014 mit 16 bzw. 11 Mal am öftesten vom Presserat gerügt. Sie sind nicht Mitglied des Gremiums. (red, 21.5.2015)

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