Video-Streaming: Spotify rüstet sich für Apple Music

21. Mai 2015, 10:41
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Einstiger Musikstreaming-Pionier marschiert auf bestellte Felder, um dem kommenden Konkurrenten etwas entgegen zu setzen

Das schwedische Unternehmen Spotify hat sein gleichnamiges Angebot um zahlreiche neue Funktionen erweitert. Die App ist nun in der Lage, für den Hörer beim Laufen anhand seines Bewegungsrhytmuses passende Musik auszuwählen und bietet zudem jetzt auch Podcasts an.

Mit viel Spannung wurde jedoch die Videofunktion erwartet. Spotify streamt also künftig nicht nur Audiocontent, sondern will auch mit teils exklusiven Videoinhalten überzeugen. Ein Vorstoß, der nach Ansicht von Wired-Redakteurin Issie Lapowsky riskant, aber möglicherweise notwendig ist.

Gesättigter Markt

Das Risiko ist relativ offensichtlich. Während Spotify sich als innovativer Branchenpionier zur wichtigsten Größe im Musikstreaming-Geschäft gemacht und nach Angabe von CEO Daniel Ek weltweit die Hälfte des Marktes kontrolliert, hat man bei Bewegtbild kaum Erfahrung.

Zudem sind die Felder in diesem Bereich bereits bestellt, zahlreiche Unternehmen rittern bereits mit qualitativ gut entwickelten Diensten um die Gunst der Kunden. Spotify versucht also, so formuliert es Lapowsky, "eine Entertainment-Lücke zu füllen, die es nicht gibt".

Dementsprechend wird es eine Herausforderung, auf diesem Wege tatsächlich eine signifikante Vergrößerung der Nutzerbasis zu erreichen. Immerhin tritt man gegen Konkurrenten wie Googles Youtube an – der Online-Riese betreibt mit Play Music zudem auch seinen eigenen Audio-Streamingdienst.

Vorbereitung auf Apple Music

Die Einführung von Video-Content kommt dieser Tage aber wohl nicht ganz zufällig. Im Musikbereich konnte Spotify die restliche Konkurrenz bislang bequem auf Abstand halten, dies könnte sich aber bald ändern. Denn – so erwarten es viele Beobachter – Apple dürfte bald dem vor einiger Zeit gekauften Beats Music-Streamingangebot einen Relaunch unter eigener Marke verpassen.

Wenn Apple Music startet, will der schwedische Branchenprimus genug Mehrwert bieten können, um die eigene Kundschaft davon zu überzeugen, nicht zu wechseln. Auch bei Spotify weiß man, dass der Start eines neuen Apple-Dienstes mit hohem Medieninteresse und einem durch die treue Anhängerschaft generierten Hype verbunden sein wird. Und das man in der Lage ist, Märkte nachhaltig zu verändern, hat der kalifornische Konzern ausgerechnet im Bereich der Musik mit iTunes schon einmal bewiesen.

Flucht nach vorne

Für Spotify ist der Einstieg ins Video-Business also eine Flucht nach vorne, die in die Entstehung eines "Ganztages-Entertainments" münden soll. "Ich hätte gerne, dass unsere Nutzer am Morgen Spotify starten und nicht pausieren, bevor sie schlafen gerne – das wäre ideal", formuliert Produktchef Gustav Söderström die Vision.

Der Schlüssel dazu ist eine intensivere Nutzung. Je öfter sich die User mit der App beschäftigen, desto wahrscheinlicher wird es aber auch, dass sie den Dienst ihren Freunden empfehlen. Nun gilt es, sie zu überzeugen, dass mit den Videos das Angebot deutlich verbessert wird.

Apple sei ein "schwarzes Loch für die weltweite Aufmerksamkeit", schreibt Lapowsky. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Spotify ihm erfolgreich entrinnen kann. (gpi, 21.05.2015)

  • Für Spotify ist die Einführung von Videostreaming auch eine Vorbereitung auf den Start von Apple Music.
    foto: reuters

    Für Spotify ist die Einführung von Videostreaming auch eine Vorbereitung auf den Start von Apple Music.

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