Entwickler: "Ohne Konsolen hätte es 'The Witcher 3' nicht gegeben"

21. Mai 2015, 10:05
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CD Projekt nimmt Stellung zu den Downgrade-Vorwürfen und erklärt, wie es dazu kam

Die "Downgrade"-Vorwürfe, wonach das kürzlich erschienene Rollenspiel "The Witcher 3" in seiner finalen Version schlechter aussieht, als in vorangegangenen Trailern, lassen den Entwicklern keine Ruhe. Hat man mit dem spektakulären VGX-Trailer 2013 die Fans in die Irre geleitet? Hat man die PC-Version abgespeckt, um den Unterschied zu den Konsolenfassungen für PS4 und XBO nicht zu groß ausfallen zu lassen? War der vermeintliche "Downgrade" gar ein Kniefall vor den Konsolenherstellern? In einem neuen Interview mit Eurogamer gestehen sich die Entwickler Fehler bei der Präsentation des Spiels ein, weisen gleichzeitig aber die Downgrade-Vorwürfe zurück.

"Ohne die Einbindung von Konsolen hätte es 'The Witcher 3' in dieser Form nicht gegeben", sagt Marcin Iwinski, Mitbegründer des Herstellers CD Projekt Red. "Das können wir ganz klar sagen. Es wäre sonst nicht leistbar, weil Konsolen es uns erlauben, bessere Verkäufe zu erzielen, ein höheres Budget für das Spiel zu haben und all das in die Entwicklung dieser gigantischen Welt zu stecken." Hätte man ausschließlich für den PC entwickelt, hätte man vielleicht mehr in Sachen Grafik herausholen können, für den Rest hätte es aber nicht gereicht. "Wir können uns so ein Spiel nicht leisten."

Grundlegende Änderungen seit 2013

Dass "The Witcher 3" heute auch stilistisch anders aussieht als 2013, könne man nicht von der Hand weisen, habe aber viele verschiedene Gründe, die auch damit zu tun haben, wie Games heute präsentiert werden. "Wenn man sich den Entwicklungsprozess ansieht, dann gibt es im Zuge dessen Versionen, die man für Messen macht", erläutert Iwinski. Diese Builds müssen in einem Stadium lauffähig sein, in dem das Spiel manchmal noch Jahre vor der Fertigstellung ist. "Man packt es, es funktioniert, es sieht toll aus. Und man ist extrem weit weg von der Komplettierung des Games."

Als der erste Trailer gezeigt wurde, handelte es sich bereits um tatsächliches Gameplay, allerdings fehlten zu dem Zeitpunkt noch viele grundlegende Features wie das Open-World-Konzept. "Dann versetzt man es in die offene Spielwelt, egal auf welcher Plattform, und man realisiert, dass es gar nicht richtig funktioniert", erinnert sich Iwinski. "Aber wie wir haben es schon gezeigt, jetzt müssen wir es zum Laufen bringen. Und dann mussten wir es versuchen, es im großen Maßstab zum Laufen zu bringen. So funktioniert Spielentwicklung."

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"The Witcher 3" im Trailer von 2013
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"The Witcher 3" im Trailer von April 2015

Nichts zu verstecken

Studioleiter Adam Badowski fügt hinzu, dass es definitiv Änderungen gegeben hat, die das Aussehen des Spiels beeinflusst haben. "Das Rendering-System wurde nach den VGX geändert. Es gab zwei mögliche Systeme, doch eines hat sich durchgesetzt, da es auf die ganze Welt umgesetzt schöner ausgesehen hat, bei Tag und Nacht. Das andere System hätte sehr viel dynamische Beleuchtung erfordert und mit so einer großen Welt hätte das einfach nicht funktioniert", so Badowski.

Schlussendlich könne man aber nicht von einem Downgrade sprechen, wenn das Spiel seit damals vielfach vergrößert und optimiert wurde, sodass es über alle Passagen hinweg flüssig läuft. Für das Entwicklerteam ist die Arbeit an "The Witcher 3" damit allerdings nicht zu Ende. Für PC wurde gerade ein riesiger Patch mit 600 Änderungen finalisiert, der in ca. einer Woche ausgeliefert wird und auch für Konsolen gab es bereits zum Start ein mehrere hundert Megabyte umfassendes Update. Die Kritik der Fans nehmen sich die Hersteller jedenfalls sehr zu Herzen. "Wenn es jemand spielt und es ihm nicht gefällt, berührt uns das. Und wir werden unser bestes tun, es gut zu machen... Ich hoffe, das zeigt unsere Absichten, denn wir wollen nichts verstecken", so Iwinski. (zw, 21.5.2015)

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