Prurients "Frozen Niagara Falls"

22. Mai 2015, 10:28
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Prurient alias Dominick Fernow veröffentlicht Noise-Elektronik im Akkord. "Frozen Niagara Falls" ist sein Meisterwerk

Ruhepausen scheinen in der Welt des New Yorkers Dominick Fernow nicht vorgesehen zu sein. Unter seinem zweitbekanntesten Pseudonym Vatican Shadow veröffentlichte er während des letzten Halbjahres neben dem Soloalbum Death Is Unity With God gemeinsam mit dem Technostar Function das Doppelalbum Games Have Rules. Er hält sich nach einer Karriere von mindestens einhundert Veröffentlichungen seit Ende der 1990er-Jahre dabei meist im garstig mit Dreck und Lärm angereicherten Grenzbereich zwischen Dub und Techno auf. Der darf gerne auch lo-fi sein und sich thematisch zumindest in der Vergangenheit auch gern mit dem „war on terror“ beschäftigen.

Dazu gesellte sich jüngst unter Fer-nows Pseudonym Exploring Jezebel das Album On A Business Trip To London. Dieses weist auf dem nicht jugendfreien Cover darauf hin, dass es hier nicht um Weltpolitik, sondern eher um Macht- und Unterwerfungsspiele in strengen Kammern geht. Und dass Fernow jetzt schon länger keine Ambient-Platten als Rainforest Spiritual Enslavement veröffentlicht hat oder sich unter anderen Namen im Grenzland zwischen Drillbohrer-Metal und Planierraupen-Amok mit Brüllgesang herumtreibt, mag daran liegen, dass die Presswerke nicht mit der Vinylproduktion nachkommen.

Melodischer Lärm

Sein Hauptpensum erledigt Fernow allerdings von der schieren Menge an Releases her nach wie vor als Prurient. Mit dem Doppelalbum Frozen Niagara Falls leistet sich der aus einem heruntergerockten Lederkoffer mit diversen Elektrokasteln Musik machende Schwarzseher und -träger eine seltene, astrein klingende Studioproduktion und textlich verständliche Brüllerei über Selbstmord, das traurige Leben New Yorker Obdachloser oder Beziehungsprobleme („I promise I will only fuck prostitutes!“). Nicht nur in den USA, aber schon auch sehr, geht das noch immer als „kontrovers“ durch. Zwischenzeitlich tauchen jetzt sogar akustische Gitarren, John-Carpenter-Synthesizer-Flächen und – Achtung!!! – M.e.l.o.d.i.e.n. auf. Wenn in den ganzen Lärm nämlich Dynamik reinkommt, wirkt er ungleich härter. Ein Meisterwerk! (schach, Rondo, 22.5.2015)

Prurient – Frozen Niagara Falls (Profound Lore)

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    cover: profound lore
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