Stagnierendes Geschäft mit niedlichen Delfinen in Japan

21. Mai 2015, 07:00
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Japans Zoos und Aquarien sollen in Zukunft nur noch in Gefangenschaft geborene Delfine halten dürfen

Japan steht nicht nur für seinen Walfang im südlichen Pazifik in der weltweiten Kritik von Tierschützern, sondern auch wegen der grausamen Delfinjagd der Fischer von Taiji, einem malerischen Küstenstädtchen an der Pazifikküste Japans, 150 Kilometer nördlich von Osaka. Dem britischenGuardian zufolge wurden in Taiji in den letzten fünf Jahren circa 5000 Delfine getötet, und ihr Fleisch wurde verkauft.

Das Hauptgeschäft machen die Fischer von Taiji aber mit dem Verkauf der schönsten Delfine an Zoos, wo diese mit Kunststücken die Besucher erfreuen sollen. 90.000 Euro kostet ein trainierter Delfin dem Guardian zufolge. Für das Fleisch eines Delfins werden 90 Euro gezahlt.

Jetzt hat die World Association of Zoos and Aquariums (Waza) auf Druck australischer Tierschützer ihrer japanischen Sektion den Ausschluss angedroht, wenn sie weiter Delfine in Taiji kauft. Die Mitglieder der Japan Association of Zoos and Aquariums (Jaza) sollen stattdessen wie jene der übrigen Zoos und Aquarien der Welt nur in den Aquarien geborene und großgezogene Delfine halten.

Mindestens 18 von 33 Zoos, die in Japan Delfine halten, wollen aber weiter in Taiji im Meer gefangene Meeressäuger für ihre Aquarien kaufen. Einer Umfrage der japanischen Zeitung Yomiuri Shimbun zufolge werden gegenwärtig in Japan insgesamt 352 Delfine in Gefangenschaft gehalten. Von ihnen sind 158 durch eine Treibjagd mittels Lärm und 68 mit Netzen gefangen worden. 42 wurden in Zoos geboren.

Qualvoller Tod bei Treibjagd

Bei der Treibjagd wie sie in Taiji praktiziert wird, werden die Delfine mittels Lärms in panische Angst versetzt, den die Fischer mit Stangen, die sie ins Wasser schlagen, erzeugen. Eingekreist von den Lärm machenden Booten, bleibt ihnen nur die Flucht in eine Bucht.

Dort werden dann die schönsten Delfine für den Verkauf aussortiert, und die anderen werden mit langen Stangen, an deren Spitzen scharfe Messer angebracht sind, durch einen Stich am Hinterkopf ins Rückenmark getötet. Da die Tiere sich im Wasser bewegen, gelingt es oft nicht, den tödlichen Stich so anzubringen, dass die Tiere sofort sterben. Viele werden nur verwundet und sterben dann mehr oder weniger schnell einen qualvollen Tod.

Ric O'Barry, durch dessen Film The Cove die Delfinjagd in Taiji traurige Berühmtheit erlangte, ist aber nicht nur ein Gegner der grausamen Jagd und des Abschlachtens der Delfine. Er ist vielmehr ein prinzipieller Gegner der Haltung der Meeressäuger in Aquarien. O'Barry trainierte in den Sechzigerjahren die Delfine für die Flipper-Fernsehserie. Als eines der Tiere in seiner Armen starb, glaubte er, der Delfin wollte sterben, weil er das Leben in Gefangenschaft nicht mehr ertragen wollte.

Das mag eine arge Vermenschlichung der Tiere sein, aber O'Barry wurde so zum entschiedenen Delfinschützer. Wer einmal die wilde Jagd und das Spiel der Meeressäuger im Meer gesehen hat, wird dazu neigen, Rick O' Barry zumindest darin recht zu geben, dass Delfine nicht ins Aquarium gehören. Aber damit wird letztlich die Frage nach der generellen Haltung von Tieren im Zoo gestellt. (Siegfried Knittel aus Tokio, 21.5.2015)

  • Delfine schwimmen im Aquarium von Taiji.
    foto: apa/epa/everett kennedy brown

    Delfine schwimmen im Aquarium von Taiji.

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