Wer betet, leidet weniger unter Jobverlust

20. Mai 2015, 15:11
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Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen, haben weniger Probleme mit dem Verlust des Jobs und gewöhnen sie sich schneller an ein Leben ohne Arbeit, so die Ergebnisse einer Studie

"Wer einmal pro Woche eine Kirche, Moschee oder Synagoge besucht, ist nach drei Jahren Arbeitslosigkeit nahezu genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor", sagt der deutsche Psychologe Clemens Lechner. Seine Aussage stützt der Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf eine Studie, die er gemeinsam mit der Universität Asterdam auf der Basis von Daten der Längsschnitterhebung "Sozio-ökonomisches Panel" (SOEP) erstellt hat.

Weniger religiöse Menschen leiden im Gegensatz dazu deutlich stärker unter einer Arbeitslosigkeitserfahrung. Wie mehrere frühere Studien auf der Basis von SOEP-Daten gezeigt haben, zählt ein Jobverlust schließlich zu den Lebensereignissen, die die Zufriedenheit der Menschen am stärksten beeinträchtigen.

Glaube vs. Job

Clemens Lechner und der Soziologe Thomas Leopold haben nun erstmals auf Basis der für Deutschland repräsentativen SOEP-Daten zeigen können, dass Religiosität den Schock nach einem Jobverlust lindern kann. Die Berechnungen der Wissenschaftler belegen für das erste Jahr nach dem Jobverlust: Je häufiger Menschen ohne Arbeit an religiösen Veranstaltungen teilnehmen, desto weniger ist ihre Lebenszufriedenheit durch den Jobverlust beeinträchtigt.

Bei den Befragten, die einmal wöchentlich einen Gottesdienst besuchten, ging die gemessene Lebenszufriedenheit weniger als halb so stark zurück wie bei denjenigen, die nie einen Gottesdienst besuchen.

Darüber hinaus zeigen die Daten: Auf längere Sicht können Menschen ohne Arbeit den Jobverlust umso schneller verarbeiten, je häufiger sie in die Kirche, die Moschee oder die Synagoge gehen. Wer einmal pro Woche an einer religiösen Veranstaltung teilnimmt, ist drei Jahre nach dem Jobverlust fast wieder genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor. Menschen, die seltener oder nie einen Gottesdienst besuchen, sind zu diesem Zeitpunkt fast noch genauso unzufrieden wie ein Jahr nach Verlust des Arbeitsplatzes.

Religion als Sinnstifter

Der Grund für die unterschiedliche Einschätzung der Lebenszufriedenheit: "Arbeitslose finden in religiösen Gemeinschaften Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation", vermutet Clemens Lechner. Darüber hinaus sei der Glaube eine Quelle von Trost und Zuversicht. Denn nach Auffassung vieler Gläubigen sind vor Gott alle Menschen gleich – unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind oder nicht.

Für ihre Untersuchung hatten die Forscher Daten von 5.446 im SOEP befragten Menschen ausgewertet, die im Zeitraum von 1990 bis 2012 arbeitslos wurden und anschließend bis zu drei Jahre ohne Arbeit blieben. (red, 20.5.2015)

  • "Arbeitslose finden in religiösen Gemeinschaften Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation", meint Psychologe Clemens Lechner. Darüber hinaus sei der Glaube eine Quelle von Trost und Zuversicht.
    foto: apa/candy welz

    "Arbeitslose finden in religiösen Gemeinschaften Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation", meint Psychologe Clemens Lechner. Darüber hinaus sei der Glaube eine Quelle von Trost und Zuversicht.

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