Eltern gaben 119 Millionen Euro für Nachhilfe aus

20. Mai 2015, 14:20
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Die Chance, Privatnachhilfe zu bekommen, hängt massiv vom Einkommen der Eltern ab

Ohne private Nachhilfe könnten viele Schüler und Schülerinnen in Österreich die Lernziele nicht bewältigen. Etwa jedes fünfte Kind ist hierzulande auf Nachhilfe angewiesen, ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ifes im Auftrag der Arbeiterkammer. Für das "AK-Nachhilfe-Barometer" wurden rund 3.350 Haushalte mit 5.600 Schulkindern befragt.

Im Schuljahr 2014/15 gaben Familien in Österreich 119 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Gegenüber dem Vorjahr sind die Nachhilfekosten damit um zehn Millionen Euro gestiegen. Von einer Million Schulkinder nahmen 130.000 bezahlte Nachhilfe in Anspruch, rund 60.000 hatten das Glück, auf unbezahlte Nachhilfe zurückgreifen zu können. Für 40.000 Kinder hätten die Eltern gerne Nachhilfe gehabt, konnten sich diese aber nicht leisten oder fanden keine passende Unterstützung.

Eine Frage des Einkommens

Die erhobenen Zahlen zeigen deutlich: je höher das Einkommen der Eltern, desto eher haben die Kinder eine Chance, bezahlte Nachhilfe zu bekommen. Mehr als 60 Prozent der 119 "Nachhilfemillionen" haben Familien berappt, die über ein Monatseinkommen von mehr als 2.500 Euro netto verfügen.

Lediglich etwa 13 Millionen Euro für Nachhilfe wurden im vergangenen Jahr von Familien bezahlt, die ein Monatseinkommen von weniger als 1.600 Euro netto haben. In dieser Gruppe befinden sich überdurchschnittlich viele Alleinerziehende und Zuwanderer, wie Ifes-Studienleiter Gert Feistritzer dem STANDARD erklärt.

657 Euro werden durchschnittlich pro Kind und Jahr für Nachhilfe ausgegeben, wobei mit 849 Euro die AHS-Oberstufe am kostspieligsten war. Aber nicht nur Geld, sondern auch sehr viel Zeit investieren Eltern in den Schulerfolg ihrer Kinder. Sieben von zehn Eltern helfen ihren Kindern mindestens einmal pro Woche beim Lernen, wobei Alleinerziehende weniger Zeit für die Lernbeaufsichtigung haben. Vor allem Volksschulkinder sind auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Die Hälfte der Eltern von Volksschulkindern lernt täglich mit ihnen.

Hilfe von Bildungsabschlüssen abhängig

Je höher die Schulstufe ist, desto schwerer fällt es Eltern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen, ihren Kinder zu helfen. 20 Prozent jener Eltern, die eine Pflichtschule absolviert haben, und 50 Prozent der Eltern mit Hochschulabschluss an, es sei "leicht", die Kinder beim Lernen zu unterstützen.

Am häufigsten erhalten die Kinder Nachhilfe im Fach Mathematik (67 Prozent), gefolgt von Fremdsprachen (44 Prozent) und Deutsch (22 Prozent; Mehrfachnennungen möglich). Umgekehrt ist es in der Volksschule: Dort dominiert Deutsch (70 Prozent).

Nachhilfe wird etwa zu gleichen Teilen regelmäßig während des Schuljahres und anlassbezogen – etwa vor Schularbeiten – in Anspruch genommen wird. In den meisten Fällen werden übrigens Lehrer, gefolgt von Nachhilfeinstituten und Studenten für die bezahlte Nachhilfe engagiert.

"Nach einem Arbeitstag muss zu Hause oft noch mit den Kindern gelernt werden, das bringt Stress in die Familien", kritisierte Arbeiterkammerchef Rudi Kaske, der sich einmal mehr für den Ausbau der Ganztagsschule aussprach. (Katrin Burgstaller, 20.5.2015)

  • Kinder, deren Eltern ein niedriges Einkommen und niedrige Bildungsabschlüsse haben, werden hierzulande doppelt bestraft.
    foto: dpa/malte christians

    Kinder, deren Eltern ein niedriges Einkommen und niedrige Bildungsabschlüsse haben, werden hierzulande doppelt bestraft.

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    grafik: apa
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