Austro Control zieht in ein neues Haus

20. Mai 2015, 13:02
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Firmenzentrale im dritten Bezirk ist veraltet, Ort der neuen Zentrale offen. Vorerst kein Streik der europäischen Fluglotsen

Wien - Die Zentrale der Austro Control (AC), in der rund 400 Verwaltungs-Mitarbeiter sitzen, muss aus baulichen Gründen abgerissen werden. Mit Jahresende müssen die Mitarbeiter in ein Ausweichquartier in den IZD-Tower ziehen. Wo die neue Zentrale entstehen wird, entscheidet sich im Herbst. Hintergrund ist, dass das städtebauliche Leitbild der Stadt Wien vorsieht, dass auf dem Grund der AC in der Schmirchgasse und rund herum ein Hochhaus geplant ist.

Um die Umwidmung zu bekommen, musste die Austro Control vorab eine internationale Ausschreibung dafür machen, sagte AC-Chef Heinz Sommerbauer am Mittwoch bei der Bilanz-Presskonferrenz. Es gibt mehrere Varianten über das künftige Quartier: Entweder die AC verkauft das Hochhausprojekt an einen Investor, behält sich aber das Baurecht und zieht als Mieter von etwa 38 bis 40 Prozent der Hochhausfläche wieder ein. Eine andere theoretische Variante wäre, zum Tower am Flughafen Wien zu übersiedeln. Die Entscheidung soll noch im Herbst fallen, so Sommerbauer.

Flugärzte

Nach dem Germanwings-Absturz muss nun auch Deutschland die Daten der Flugärzte von den Piloten und Fluglotsen an die nationale Flugbehörde bzw. deren Ärzte weitergeben. Die meisten EU-Länder taten das bereits, auch Österreich. Die Ärzte der Austro Copntrol machen Stichproben und kontrollieren. Ist sich der meist praktische Arzt mit AC-Lizenz nicht sicher, wird ein Spezialist zugezogen und die AC entscheidet dann, ob die Fluglizenz weiter bestehen bleibt. Außerdem gilt jetzt das Vier-Augenprinzip im Cockpit.

Erstmals seit 2011 hat es im österreichischen Luftraum 2014 mit einer Zunahme um 3,4 Prozent wieder eine Steigerung bei den Flugbewegungen gegeben. Die Gesamtzahl der Landungen an den sechs österreichischen Flughäfen blieb mit minus 0,4 Prozent praktisch unverändert. Die Entwicklungen der einzelnen Flughäfen waren jedoch unterschiedlich. Während Wien im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb, wurden in Linz, Graz und Klagenfurt Verkehrsrückgänge verzeichnet. Leichtes Verkehrswachstum gab es in Innsbruck und Salzburg.

Mehr Überflüge

Ausschlaggebend dafür war der starke Urlaubsreiseverkehr. Sommerbauer: "Wenn es mehr Reisende in die Türkei und nach Griechenland gibt, dann ist das gut für uns, weil dann mehr über unseren Luftraum fliegen. Wenn aber Spanien boomt, ist das nicht so gut für uns". Die Ukraine-Krise habe auch einen stärkeren Verkehr über Österreich gebracht. 2014 hat die AC mit einem Gewinn von 1,8 Mio. Euro abgeschlossen - nach einem Verlust von 7,8 Mio. Euro 2013.

Die Austro Control ist auch für die Genehmigung von Drohnen in Österreich zuständig. Bisher habe es 489 Anträge gegeben, 198 seien (zunächst auf ein Jahr) genehmigt worden, 360 seien in Bearbeitung, so Sommerbauer. Hauptsächlich werden die für Filmaufnahmen beantragt.

Vorerst keine Streiks

Im Konflikt um EU-Sparvorgaben bei der Flugsicherung verzichten Europas Fluglotsen vorerst auf Streiks. Passagiere und Fluggesellschaften müssten sich wegen fehlender Investitionen bereits in diesem Sommer auf Kapazitätsengpässe und Verspätungen einstellen, teilte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) am Mittwoch in Frankfurt mit.

Um die Passagiere nicht noch zusätzlich zu belasten, seien zunächst keine Arbeitskampfmaßnahmen geplant, entschieden Lotsen-Gewerkschaften aus Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten und der Schweiz bei einem Treffen in Brüssel.

Streiks sind damit allerdings nicht endgültig vom Tisch. Die Gewerkschaften wollen die Entwicklung monatlich neu beraten. Das nächste Treffen ist am 10./11. Juni in Frankfurt geplant. Man werde nicht zögern, Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten, erklärte die GdF.

Trotz zunehmenden Flugverkehrs sollen nach früheren Angaben die Budgets der Flugsicherungen innerhalb von acht Jahren um 27 Prozent abgesenkt werden, was aus Sicht der Gewerkschaften die Luftsicherheit gefährdet. Die Vorgaben der EU auf dem Weg zu einem einheitlichen Luftraum "Single European Sky" hätten in den meisten Ländern zu völlig unrealistischen Planungen geführt, so die GdF. (cr, 20.5.2015)

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