"Selfiejobs": Das Tinder für die Jobsuche

20. Mai 2015, 17:03
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Plattform lässt Jobsuchende und Arbeitgeber mittels "Like" Kontakt aufnehmen

Soziale Netzwerke für berufliche Zwecke sind ein alter Hut. Die Plattform "Selfiejobs" will die Jobsuche nun aufmischen und orientiert sich dabei am Prinzip von Tinder. Arbeitssuchende und Arbeitgeber können wie bei der Dating-App durch "Likes" zueinander finden. "Selfiejobs" verspricht schnelle und unbürokratische Kontaktaufnahme. Doch die starke Orientierung am Profilfoto der Jobsuchenden bleibt nicht ohne Kritik.

Bewerben mit einem "Like"

"Selfiejobs" funktioniert denkbar einfach. Wer einen Job sucht kann mit der Smartphone-App in wenigen Schritten ein Profil erstellen. Es genügen wenige Angaben wie Vorname, Bildungsstand und bisherige Berufserfahrung. Die Anmeldung erfolgt via Facebook-Account. Alternativ zum Profilfoto kann man sich in einem maximal 22 Sekunden langen Video vorstellen. Ähnliche funktioniert das für Arbeitgeber, die sich und die offene Stelle in einem Profil präsentieren können.

Die Anbieter betonen vor allem die Einfachheit des Dienstes. "Kurze Stellenanzeigen mit vielen Fotos. Keine unnötigen Umstände!", heißt es auf der Seite. "Während du durch die bunt bebilderten Anzeigen surfst, kannst du ganz einfach auf ‚Like‘ klicken, um dich zu bewerben." Umgekehrt können Arbeitgeber auch geeignete Kandidaten mit einem "Like" markieren und Kontakt aufnehmen. "Wenn neue Bewerberprofile hochgeladen werden, kannst du diese sofort prüfen. Das geht schnell und macht viel Spaß!"

Bislang ist "Selfiejobs" in Dänemark, Norwegen, Schweden und seit kurzem in Deutschland verfügbar. Nach Angaben auf der Website hat die Plattform rund 10.000 Nutzer. Für Jobsuchende ist das Netzwerk kostenlos, Arbeitgeber zahlen monatlich 55 Euro.

Kritik am "Wisch-und-weg"-Prinzip

Das simple Prinzip und die benutzerfreundliche Oberfläche haben in den Medien durchaus positiven Anklang gefunden. Doch es gibt auch kritische Stimmen. "Das Tinder-Prinzip wird jetzt auch für die Jobsuche angewendet. Das ist gut - für alle, die gut aussehen", schreibt etwa die "Süddeutsche". Bei der Dating-App kann man andere Nutzer vorrangig anhand ihres Fotos mittels Wischgesten "ablehnen" oder "mögen". Wenn man einem anderen Nutzer auch gefällt, ergibt das ein Match. Es geht um das Interesse auf den ersten Blick.

Für die Suche nach einem Date oder dem schnellen Sex mag das Wisch-und-weg-Prinzip in Ordnung sein, bei der Stellensuche könnte es jedoch problematisch werden. Gefällt ein Jobsuchender optisch nicht, könnte auch die Jobqualifikation in den Hintergrund treten. Platz für ausführliche Angaben zum Lebenslauf ist bei "Selfiejobs" nicht – unter dem großen Profilfoto werden diese Stichwort-artig aufgelistet.

Zwar werden auch klassische Bewerbungen mit Foto abgeschickt. Die Gefahr der Diskriminierung durch Foto, Name oder Herkunft hat allerdings dazu geführt, dass in einigen Ländern bereits anonymisierte Bewerbungsverfahren üblich sind. Und im Gegensatz zu traditionelleren Bewerbungsunterlagen fallen bei "Selfiejobs" zuerst die großen Profilfotos auf.

"Nicht wie Tinder"

Die Betreiber von "Selfiejobs" sehen diese Gefahr nicht. Gegenüber der "Süddeutschen" sagt Gründer Martin Hall, dass man den Fokus auf die Nutzerfreundlichkeit legen wollte. So minimalistische wie Tinder sei das Portal aber nicht, immerhin würden auch Angaben zu Erfahrungen, Stärken und Ausbildung gemacht. (br, 20.5.2015)

  • "Selfiejobs" funktioniert so einfach wie Tinder - das hat Vor- und Nachteile.
    screenshot: apple/selfiejobs

    "Selfiejobs" funktioniert so einfach wie Tinder - das hat Vor- und Nachteile.

  • Wie bei der Dating-App können sich bei "Selfiejobs" Jobsuchende und Arbeitgeber finden.
    screenshot: selfiejobs

    Wie bei der Dating-App können sich bei "Selfiejobs" Jobsuchende und Arbeitgeber finden.

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