Kehrtwende: Malaysia und Indonesien wollen 7.000 Flüchtlinge aufnehmen

20. Mai 2015, 08:22
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Internationale Gemeinschaft soll aber für Rückführung innerhalb eines Jahres sorgen – Burma fehlt bei Treffen in Kuala Lumpur

Kuala Lumpur – Malaysia und Indonesien wollen tausende auf See ausharrende Flüchtlinge aufnehmen. Angesichts der Flüchtlingskrise in Südostasien verständigten sich beide Länder am Mittwoch in Kuala Lumpur darauf, den rund 7.000 Flüchtlingen "humanitären Beistand" und "vorübergehende Zuflucht" zu gewähren, wie die Außenminister Anifah Aman und Retno Marsudi gemeinsam erklärten. Die Flüchtlinge würden aber nur aufgenommen, wenn die internationale Gemeinschaft binnen eines Jahres für ihre Rückführung sorge. Sie müsse auch finanzielle Hilfe leisten, sagte Anifah.

Aman und Marsudi trafen am Mittwoch am malaysischen Regierungssitz Putrajaya mit dem thailändischen Amtskollegen Tanasak Patimapragorn zusammen. Die drei Länder waren zuletzt international heftig kritisiert worden, da sie ankommende Flüchtlinge lediglich mit Lebensmitteln versorgten und anschließend wieder zurück aufs offene Meer schickten.

Burma (Myanmar) schickte keinen Vertreter zu dem Treffen. Das Land ließ überdies offen, ob es an einem regionalen Gipfeltreffen am 29. Mai in Thailand teilnimmt. Aman hatte Burma am Sonntag aufgerufen, sich an den Krisengesprächen zu beteiligen. Anderenfalls werde Malaysia als derzeitiger Vorsitzender der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN ein Treffen zur Flüchtlingsfrage ansetzen. Burma gehört zur den zehn Mitgliedstaaten der Gemeinschaft.

Rund 8000 Flüchtlinge noch auf hoher See

In den vergangenen Tagen waren in Indonesien, Thailand und Malaysia bereits rund 3.000 Flüchtlinge aus Burma und Bangladesch eingetroffen. Laut Hilfsorganisationen befinden sich derzeit noch etwa 8000 Bootsflüchtlinge auf hoher See, viele davon seit Wochen. Schlepper verlangten von ihnen Geld, damit sie freikämen, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) einer Nachrichtenagentur.

Burma erklärte sich unterdessen erstmals zu humanitärer Hilfe für die in Not geratenen Menschen bereit. Das Außenministerium erklärte Staatsmedien zufolge, die Regierung teile die Sorgen der internationalen Gemeinschaft über die Flüchtlingskrise. Sie sei "bereit zu humanitärer Hilfe für jeden, der auf hoher See leidet".

Bisher hatte sich das südostasiatische Land in der Krise für nicht zuständig erklärt. Viele der Bootsflüchtlinge vor Südostasiens Küsten gehören der Minderheit der Rohingya an und sind aus Burma geflohen. Als muslimische Minderheit sind sie in dem mehrheitlich buddhistischen Land systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Die Regierung bezeichnet die Rohingya aber als illegale Migranten aus dem benachbarten Bangladesch und lehnte bisher jede Verantwortung für die Volksgruppe ab. Auch aus Bangladesch selbst fliehen immer mehr Menschen vor bitterer Armut.

400 Flüchtlinge vor Indonesiens Küste gerettet

Unterdessen wurden vor Indonesiens Küste mehr als 400 Flüchtlinge gerettet. Es handle sich überwiegend um Rohingya aus Burma, sagte der Chef des Rettungsdiensts, Khairul Nova, in der Provinz Aceh im Norden Sumatras. Unter den Geretteten seien Frauen und Kinder.

Die Philippinen haben Hilfe für die Bootsflüchtlinge angeboten. "Wir tun, was nötig ist", sagte Präsidentensprecher Herminio Coloma am Dienstag. "Wir haben Verpflichtungen, Asylsuchenden zu helfen", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums.

Nach den Vereinten Nationen und den USA hatte sich am Dienstag auch Papst Franziskus für die Flüchtlinge starkgemacht. In einer Messe verglich er die "armen Rohingya" mit von der Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) verfolgten Christen und Jesiden. "Wenn sie ihr Land verlassen, um der Verfolgung zu entgehen, wissen sie nicht, was ihnen widerfahren wird", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die UN und die USA hatten Indonesien, Thailand und Malaysia zu Rettungseinsätzen für die Bootsflüchtlinge aufgefordert. (APA, 20.5.2015)

  • Flüchtlinge auf einem thailändischen Militärschiff. Malaysia und Indonesien haben sich nun bereiterklärt, 7.000 Flüchtlingen vorübergehend Zuflucht zu gewähren.
    foto: reuters/olivia harris

    Flüchtlinge auf einem thailändischen Militärschiff. Malaysia und Indonesien haben sich nun bereiterklärt, 7.000 Flüchtlingen vorübergehend Zuflucht zu gewähren.

  • Die Außenminister von Indonesien, Retno Marsudi, von Malaysia, Anifah Aman, und von Thailand, Tanasak Patimapragorn (von rechts), bei einem Treffen in Kuala Lumpur.
    foto: apa/epa/fazry ismail

    Die Außenminister von Indonesien, Retno Marsudi, von Malaysia, Anifah Aman, und von Thailand, Tanasak Patimapragorn (von rechts), bei einem Treffen in Kuala Lumpur.

  • Am Dienstag kam an der Küste Thailands ein Boot mit 450 Flüchtlingen an Bord an.
    foto: epa/royal thai navy

    Am Dienstag kam an der Küste Thailands ein Boot mit 450 Flüchtlingen an Bord an.

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