Deutscher Bahnstreik steuert auf Pfingsten zu

20. Mai 2015, 13:37
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Deutsche Bahn signalisiert weiter Gesprächsbereitschaft

Berlin – Die Lokführer-Gewerkschaft der Deutschen Bahn hat in der Nacht auf Mittwoch mit einem erneuten - unbefristeten - Streik im Personenverkehr begonnen. Der Ausstand habe wie angekündigt um 2 Uhr begonnen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Fahrgäste könnten sich auf der Website der Deutschen Bahn über die Ersatzfahrpläne erkundigen.

Für Reisende in Österreich kommt es hingegen kaum zu Einschränkungen. Auch bis Passau und München funktioniere alles reibungslos, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Nach München kommt man, das sind unsere eigenen Züge und Lokführer. Auch übers Deutsche Ecke kann man ganz normal fahren, weil es unser Personal ist", erklärte der Sprecher. "Wir sind zweimal täglich in Conference Calls mit den deutschen Kollegen, damit wir informiert sind. Wenn wir sehen, dass ein Zug ausfällt, können wir uns dafür rüsten – aber im Moment ist das nicht notwendig."

Streik treibt Kunden zur Konkurrenz

Der Dauerstreik der deutschen Lokführer untergräbt nach Meinung des Deutsche-Bahn-Betriebsrats die Zukunftsaussichten des Konzerns. "Wir treiben der Konkurrenz von Mietwagen und Bus die Reisenden zu", sagte Jens Schwarz, Chef des Deutsche-Bahn-Konzernbetriebsrats, am Mittwoch. Zudem verlagerten große Frachtkunden wie Autokonzerne inzwischen einen Teil ihrer Lieferketten auf die Straße. Der Schaden für das Unternehmen sei enorm.

Es stehe zu befürchten, dass die Bahn sich gezwungen sehen könnte, durch Einsparungen die Folgen des Streiks zu begrenzen. "Viele Kollegen sorgen sich deshalb um ihren Arbeitsplatz", sagte Schwarz. Der Streik bringe bereits jetzt einige Deutsche-Bahn-Angestellte an ihre Grenzen. "Die Mitarbeiter, die den Betrieb aufrechterhalten, sind extrem unter Druck." Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL sollten deshalb schleunigst zu einer Lösung kommen.

Der erneute Streik der Lokführer trifft seit Mittwochmorgen Millionen Pendler. Im aktuellen Tarifkonflikt ist es die inzwischen neunte und erstmals unbefristete Streikrunde. Zentraler Streitpunkt: Die GDL pocht darauf, für alle ihre Mitglieder beim Zugpersonal eigenständige Tarifverträge zu schließen. Das Bahn-Management verlangt dagegen eine "Gesamtschlichtung". Der Konzernbetriebsrat der Bahn wird von der größeren Eisenbahnergewerkschaft EVG dominiert, die parallel zur GDL mit dem Bahnmanagement verhandelt. Auch die EVG schließt weitere Streiks nicht aus.

Ein Drittel der Fernzüge fährt

Trotz des Streiks sollen in den kommenden Tagen rund ein Drittel aller Fernzüge und, je nach Region, 15 bis 60 Prozent aller Regionalzüge fahren, teilte die Deutsche Bahn mit. Am Abend signalisierte das Unternehmen, weiterhin gesprächsbereit zu sein. "Die Gespräche werden kurzfristig fortgesetzt", sagte eine Bahnsprecherin. Dazu sei allerdings "Vertraulichkeit verabredet worden".

Bereits am Dienstagnachmittag hatte die GDL einen Streik im Güterverkehr begonnen. Ein Enddatum nannte sie nicht, es soll jedenfalls 48 Stunden im Voraus mitgeteilt werden. Allerdings kündigte die GDL an, dass dieser Streik länger als der vorherige dauern werde (sechs Tage). Damit dürfte der Streik die Bahnreisenden auch am Pfingstwochenende treffen. (APA, 20.4.2015)

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