Airbag-Probleme sorgen für Massenrückruf in USA

20. Mai 2015, 10:14
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Explosion von Airbags offenbar selbst ohne Unfall möglich, heiße Metallteile könnten Passagiere gefährden

Washington – Mangelhafte Airbags zwingen den Autozulieferer Takata in den USA zu einem landesweiten Rekordrückruf. Unter dem Druck der US-Verkehrsaufsicht räumte das japanische Unternehmen am Dienstag Gefahren bei 33,8 Millionen Fahrzeugen ein.

Deshalb dürften in den USA nun mehr Autos in die Werkstätten beordert werden als jemals zuvor. Verkehrsminister Anthony Foxx sprach vom wohl umfangreichsten Rückruf der US-Geschichte. An der Tokioter Börse mussten die Takata-Aktien einen Kurseinbruch um gut zehn Prozent hinnehmen.

Explosion auch ohne Aufprall

Takata stellt weltweit jeden fünften Airbag her. Die zum Schutz der Autoinsassen konzipierten Luftkissen können bei einem Unfall, teilweise aber auch ohne Aufprall explodieren, sodass heiße Metallteile umherfliegen. Deswegen sind bereits sechs Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt lag die Zahl der wegen des Defekts seit 2008 zurückgerufenen Autos weltweit bei 36 Millionen.

Die Firma stand schon mehrfach in der Kritik. Seit 2013 wurden in den USA etwa 17 Millionen Fahrzeuge von Autoherstellern zurückgerufen, diese Zahl wird sich nun noch einmal fast verdoppeln. Takata hat sich laut Verkehrsminister Foxx zu einer effektiven Zusammenarbeit mit den Aufsehern und den betroffenen Autobauern verpflichtet. Dazu zählen BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota.

"Vertrauen wiederherstellen"

"Wir sind froh, diese Einigung mit der US-Verkehrsaufsicht erreicht zu haben, die einen klaren Weg nach vorne darstellt, um das Vertrauen in die Autohersteller wiederherzustellen", erklärte Takata-Chef Shigehisa Takada in einer Mitteilung. Trotz aller Anstrengungen, die Takata unternehme und bereits unternommen habe, sei es aber klar, dass die abschließende Prüfung der Vorfälle noch Zeit in Anspruch nehmen werde.

Wegen mangelnder Kooperation bei den Ermittlungen hatten die US-Behörden gegen Takata im Februar eine Strafe von täglich 14.000 Dollar (rund 12.500 Euro) verhängt, solange der Konzern sich weigert, beim Krisenmanagement mit den Aufsehern zusammenzuarbeiten. Takatas "Versagen" sei "inakzeptabel und wird nicht toleriert", hatte Foxx damals gesagt.

Begrenzte Kapazität für Ersatzteile

Der Konflikt war eskaliert, nachdem Takata Forderungen nach einem USA-weiten Rückruf zunächst abgelehnt hatte. Das Unternehmen machte das heiße und feuchte Klima in Bundesstaaten wie Kalifornien und Florida für das unvermittelte Auslösen der Airbags verantwortlich. Es wollte die Rückrufe deshalb auf diese Regionen beschränken.

Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Ersatzteilen gibt es durchaus Experten, die den Ansatz gutheißen. Dadurch würden zunächst die Gegenden an die Reihe kommen, in denen sich die Unfälle ballen. Takata hat nicht die Produktionskapazität, um die nötigen Teile für einen Massenrückruf rasch zu liefern. (Reuters, 20.5.2015)

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