Aktivisten prangern sexuelle Gewalt ägyptischer Sicherheitskräfte an

19. Mai 2015, 20:13
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Laut Menschenrechtlern Misshandlungen und Erpressungen, Täter bleiben straflos

Kairo/Paris - Die Internationale Vereinigung der Ligen für Menschenrechte (FIDH) hat von ägyptischen Sicherheitskräften ausgeübte sexuelle Gewalt angeprangert. Die in Paris ansässige Organisation erklärte am Dienstag, seit dem Sturz von Mohammed Mursi, Ägyptens erstem demokratisch gewählten Präsidenten, hätten entsprechende Vorfälle deutlich zugenommen. Das Militär hatte den Islamisten Mursi 2013 entmachtet.

Laut einem von der FIDH vorgelegten Bericht, der sich auf Aussagen von Opfern, Aktivisten und Zeugen stützt, sind Polizeikräfte, Geheimdienstagenten, Mitarbeiter der nationalen Sicherheit und Soldaten "direkt" an sexueller Gewalt in den Haftanstalten beteiligt. Es handle sich um eine "zynische politische Strategie", um die Zivilgesellschaft zu "knebeln" und die Opposition "zum Schweigen zu bringen, erklärte FIDH-Präsident Karim Lahidji. Dass die Opfer davor zurückschreckten Klage zu erheben und die Täter straflos blieben, sei Teil der Methode.

Lange Liste an Vorwürfen

Zu den im Bericht erwähnten Vorfällen gehören Vergewaltigungen, Vergewaltigungen mit Gegenständen, Jungfräulichkeitstests, Elektroschocks an Genitalien sowie Erpressungen sexueller Art. Eine lediglich mit A bezeichnete Frau berichtet über einen Vorfall auf einer Polizeiwache im Bezirk Nasr City in Kairo zur Erpressung eines Geständnisses.

"Die Polizisten prügelten mich. Dann brachten sie mich in einen Raum, in dem sich mein Mann befand und versuchten mich zu vergewaltigen." Ihr Mann habe die Beamten angefleht aufzuhören und ihnen zugesichert, dass er aussagen werde. Erst solle er reden, dann komme seine Frau frei, hätten die Polizisten gesagt. "Sie nahmen meinen Schleier ab und fingen wieder an", berichtete die Frau. Dann habe sie sich mit gefesselten Händen setzen müssen und ihre Peiniger hätten damit gedroht, sie an der Tür aufzuhängen, um ihren Mann zum Sprechen zu bringen.

Harte Urteile gegen Gegner

Nach Mursis Absetzung im Juli 2013 kam der heutige Staatschef Abdel Fattah al-Sisi an die Macht, der beim Sturz Mursis Armeechef war. Er hatte angekündigt, Mursis Muslimbruderschaft auslöschen zu wollen. Seither wurden mehr als 1400 Mursi-Anhänger getötet und mehr als 15.000 weitere inhaftiert.

Am Samstag wurden Mursi und mehr als hundert weitere Angeklagte in einem Prozess um Gefängnisausbrüche und Gewalt gegen Polizisten zum Tode verurteilt. Die Urteile lösten wie bereits frühere Massenprozesse, bei denen im Schnellverfahren hunderte Islamisten zum Tode verurteilt wurden, internationale Proteste aus. (APA, 19.5.2015)

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