Schüsse auf EU-Botschaft bei Protesten in Burundi

19. Mai 2015, 20:04
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Nach gescheitertem Putschversuch von vergangener Woche demonstrierten in Burundi wieder Oppositionelle

Bujumbura - Trotz Warnungen des Militärs haben in Burundi erneut tausende Menschen gegen den umstrittenen Staatschef Pierre Nkurunziza protestiert. In mehreren Vierteln der Hauptstadt Bujumbura gingen die Gegner des Präsidenten am Dienstag auf die Straße, um nach dem gescheiterten Staatsstreich den Rücktritt Nkurunzizas zu fordern.

Soldaten feuerten Warnschüsse ab, um die Versammlungen aufzulösen. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Dabei soll nach Aussage des EU-Vertreters im ostafrikanischen Staat auch die EU-Botschaft in Bujumbura unter Beschuss gekommen sein. Die Regierung von Präsident Nkurunziza müsse diplomatische Einrichtungen besser schützen, forderte daraufhin Brüssel.

Die Anführer der Proteste riefen ihre Anhänger dazu auf, "trotz der Bedrohungen" weiter zu demonstrieren. "Wir haben gezeigt, dass die Burundier für ihre Rechte kämpfen können", sagte der Vize-Vorsitzende der Oppositionspartei Frodebu, Frederic Banvugiyuvira, bei einer Kundgebung vor tausenden Regierungsgegnern. "Wenn Nkurunziza will, dass wir die Straßen räumen, dann muss er zurücktreten." Banvugiyuvira distanzierte sich gleichzeitig von den Putschisten, deren Umsturzversuch in der vergangenen Woche gescheitert war.

Schon über 20 Tote

Das ostafrikanische Land befindet sich seit Ende April in einer schweren politischen Krise. Die Polizei ging damals mit großer Härte gegen Proteste vor, die sich vor allem gegen Nkurunzizas Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Staatschef richteten. Seine Gegner sehen darin einen Verstoß gegen die Verfassung. Bei gewalttätigen Zusammenstößen wurden mehr als 20 Menschen getötet.

Die Europäische Union dringt weiter darauf, die anstehenden Wahlen in Burundi zu verschieben. Die EU teile die Einschätzung der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), dass ein solcher Schritt unter den derzeitigen Bedingungen "unabdingbar" sei, erklärten die EU-Außenminister am Dienstag in Brüssel. Auch die Vertreter der Region der Großen Seen in Afrika forderten eine Verschiebung der Urnengänge. Die Kommunal- und Parlamentswahlen in Burundi sollen am 26. Mai stattfinden, die Präsidentschaftswahl ist für den 26. Juni angesetzt. (APA, 19.5.2015)

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