Fitch stuft zahlreiche Banken ab

19. Mai 2015, 19:11
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Wegfall der Staatsgarantien sorgt für Neubewertung. Auch österreichische Banken betroffen

Wien – Die Ratingagentur Fitch hat am Dienstag ihre Ankündigung von März wahrgemacht, zahlreiche europäische Banken neubewertet – und abgestuft. Der Grund für das Massen-Downgrading liegt darin, dass Europas Regierungen nicht mehr bereit sind, die Geldhäuser im Krisenfall zu stützen.

Auch österreichische Banken sind mit von der Partie: Volksbanken, Raiffeisen Bank International (RBI), Erste Group und Bank Austria, Kommunalkredit Austria sowie die Bad Bank KA Finanz. Das Langfristrating des Volksbanken-Verbunds wurde um sage und schreibe sieben Stufen abgesenkt. Der Verbund hat nur noch die Note BB- und ist somit auf Ramsch-Niveau gelandet.

Erste und Bank Austria wurden um zwei Stufen auf BBB+, die RBI um drei Stufen auf BBB gesenkt. Alle drei Geldhäuser haben somit ihr A verloren. Sie stehen vor allem wegen des Risikos in Osteuropa im Visier der Ratingagentur. Der RBI hat selbige einen negativen Ausblick verpasst, vor allem wegen ihres starken Engagements in Russland und in der Ukraine. Der Ausblick für Bank Austria und Erste ist dagegen stabil.

Unicredit auch betroffen

Auch deutsche Banken wie die Commerzbank (minus vier Stufen auf BBB) werden schlechter bewertet, betroffen ist aber etwa auch die Mutter der Bank Austria, die italienische Unicredit.

Aufgrund der neuen Bankenabwicklungsrichtlinie der EU geht Fitch davon aus, dass Banken im Krisenfall eben nicht mehr damit rechnen können, dass der Steuerzahler für sie einspringt. Gemäß den neuen Regeln sollen nämlich vor allem die Anleihegläubiger haften. Daher hat Fitch bei zahlreichen europäischen Banken die wegfallende implizite Staatsgarantie herausgerechnet. Europas erster Abwicklungsfall ist bekanntermaßen in Österreich daheim: die Heta steht seit 1. März unterm Regime der Abwickler in der FMA.

Den Volksbankenverbund (das Noch-Spitzeninstitut ÖVAG hat Fitch schon im Februar auf Ramschniveau befördert) trifft die steile Abstufung knapp vor seinem Umbau. Die ÖVAG soll ja per 4. Juli in die Abbaugesellschaft namens Immigon abgespalten werden, die Spitzeninstitutsfunktionen gehen auf die Volksbank Wien Baden über. 41 regionale Volksbanken werden zu acht fusioniert und durch einen noch strengeren Verbundvertrag aneinander und ans Spitzeninstitut gebunden.

Risiko bei Fusion

Fitch sieht die Gründung der Bad Bank Immigon zwar positiv, begründet die Herabstufung aber mit Unsicherheiten, da der Umbau noch nicht unter Dach und Fach sei. Erst am Dienstag hat die FMA den drei Volksbanken, die nicht beim neuen Verbund dabei sein wollen, die Rute des Konzessionsentzugs ins Fenster gestellt.

Sollte der neue Volksbankenverbund wie geplant umgesetzt werden, stellt ihm Fitch eine Verbesserung um zwei Stufen in Aussicht. Im Juli starte die nächste Überprüfung, erklärte die Ratingagentur Dienstagabend. Allerdings geht sie nicht davon aus, dass der Verbund in näherer Zukunft auf Investment Grade kommt. Dafür sei die Fusionierung zu risikobehaftet. (APA, gra, 19.5.2015)

  • Fitch ratet Banken herab.
    foto: epa/justin lane

    Fitch ratet Banken herab.

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