Werberat 2015: Weniger Beschwerden nach ruhigem Life Ball

19. Mai 2015, 17:19
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Bis jetzt gingen 88 Beanstandungen ein - Sechs Kampagnen wurden mit einem Stopp belegt

Wien - Nimmt man die Anzahl der Beschwerden als Gradmesser, dann hat das Jahr 2015 für den österreichischen Werberat ruhig begonnen. Bis Mitte Mai gingen beim Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft 88 Beschwerden ein. Sie führten zu 65 Entscheidungen. Sechs Kampagnen wurden mit einem Stopp belegt.

Zum Vergleich: Im Jahr 2014 war das Gremium mit insgesamt 641 Beschwerden konfrontiert. Der Großteil, nämlich 410, drehte sich um das Life-Ball-Plakat von David LaChapelle. Der Fotograf inszenierte auf dem Sujet das Transgender-Model Carmen Carrera unter dem Motto "Ich bin Adam - Ich bin Eva - Ich bin ich" nackt - und zwar sowohl mit männlichen als auch weiblichen Geschlechtsteilen.

Saunaclub

Beim heurigen Life Ball blieb so ein Aufreger-Sujet aus - und somit auch eine Beschwerdenflut. Für Unmut sorgten Plakate wie jenes, das der Saunaclub Goldentime auf den Flächen der Gewista affichieren ließ. Zu sehen ist eine nackte Frau, die Milch trinkt - versehen mit dem Spruch: "Das ist keine Milchwerbung". Nach der Beschwerde verlangte der Werberat den sofortigen Stopp der Kampagne. Das Gremium konstatiert eine Verletzung des Ethik-Kodex der Österreichischen Werbewirtschaft. Der Grund ist geschlechterdiskriminierende Werbung.

"Blickfang"

Einen Verstoß stellte der Werberat auch beim Plakat des Unternehmens Sunglasses Outlet fest. "Eine Frau ohne Oberteil wird ohne direkten inhaltlichen Zusammenhang zum Produkt in rein sexualisierter Funktion als Blickfang eingesetzt", heißt es in der Beschwerde. Der Werberat schließt sich der Meinung des Beschwerdeführers an und urteilt, dass es sich um eine sexistische Werbung handle.

Lolita-Motiv

Weiteren Grund zum Einschreiten sah der Werberat nach der Beschwerde über ein Sujet, das Prada für sein Tochterunternehmen Miu Miu plakatieren ließ. Im Mittelpunkt der Kampagne steht ein Model, das sich beispielsweise in einem Sujet lasziv auf einem Bett räkelt. Das Testimonial wirkt nicht älter als 15 oder 16 Jahre, obwohl es sich dabei um die 22-jährige Schauspielerin Mia Goth handelt. Moniert wurde ein bewusstes Spiel mit Lolita-Assoziationen und Voyeurismus.

Laut Werberat hat das Unternehmen nach der Kontaktaufnahme sofort reagiert und das Sujet umgehend entfernt. Die Kampagne hatte aber nicht nur in Österreich für Ärger gesorgt. Die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA hat verfügt, dass die Bilder nicht mehr gezeigt werden dürfen. Die Begründung lautete: Goths jugendliche Erscheinung könnte in Verbindung mit der Pose den Eindruck vermitteln, dass es sich um ein Kind in einer sexualisierten Situation handle. (omark, 19.5.2015)

  • Miu Miu musste eine Kampagne mit der Schauspierlin Mia Goth, hier auf einem Foto aus dem Herbst 2014, stoppen.
    foto: apa/epa/andrew cowie

    Miu Miu musste eine Kampagne mit der Schauspierlin Mia Goth, hier auf einem Foto aus dem Herbst 2014, stoppen.

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