Landwirtschaft machte unsere Beinknochen schwächer

24. Mai 2015, 21:18
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Mit Intensivierung der Nahrungsmittelproduktion veränderte sich das Beinskelett der Menschen zwischen Jungstein- und Römerzeit

Wien - Ackerbau und Viehzucht haben die Menschen gehfaul gemacht. Mit dem zwischen der Neolithischen Revolution, dem Beginn der Landwirtschaft, und der Antike hat der Mensch sein Beinskelett immer weniger belastet, während im Gegenzug die Nahrungsmittelproduktion intensiver wurde, berichtet ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachmagazin "Pnas". Ab dann seien jedoch keine Veränderungen mehr erkennbar.

Die Forscher haben die Festigkeit von Oberschenkel- und Schienbeinknochen von 1.842 Menschen aus ganz Europa untersucht, die vor bis zu 33.000 Jahren in der Steinzeit oder in einer späteren Epoche bis im 20. Jahrhundert gelebt hatten. Darunter waren auch Gebeine aus Österreich, und zwar von der Jungsteinzeit (vor circa 4.500 Jahren) bis zum Frühmittelalter (circa 900), erklärte die Humanbiologin Margit Berner vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien.

Landwirtschaft machte Knochen empfindlicher

Ab der Jungsteinzeit, als die herumziehenden Jäger und Sammler zu sesshaften Bauern wurden, bis zur Eisenzeit, in der die Römer Europa dominierten, wurde das Beinskelett der Menschen immer schwächer, schrieben die Forscher. Dies geschah nach und nach, so wie die Intensivierung der Landwirtschaft, und nicht abrupt, so wie der Beginn der Sesshaftigkeit, erklärten sie. Deshalb sei offensichtlich die veränderte Nahrungsmittelgewinnung und nicht die Lebensweise für die zarteren Knochen verantwortlich. Aber auch die Fortbewegung mit Pferden und Wagen mit Rädern seit der späten Jungsteinzeit habe die Entwicklung wahrscheinlich unterstützt.

Vor allem die Mobilität nahm bei den Menschen damals ab - und nicht allgemein die körperliche Aktivität, so die Forscher. Die Stärke des Oberarmknochens habe sich in der selben Zeit nämlich kaum geändert. Weil nach der Römerzeit die durchschnittliche Beinknochen-Stärke gleich blieb, hatten Mechanisierung, Verstädterung und Industrialisierung offensichtlich kaum einen Einfluss auf die Robustheit des Beinskeletts.

Weniger beanspruchte Beine

Die Unterschiede in der Knochenstärke zwischen Steinzeitmenschen und Römern sind bei den Menschen der verschiedenen Epochen erworben und nicht vererbt, so Berner. "Sie beruhen darauf, dass die Knochen heutzutage im Vergleich zur paläolithischen (altsteinzeitlichen) Lebensweise viel weniger beansprucht werden", erklärte sie. Bei professionellen Sportlern würde man laut Studien auch heute noch eine ähnlich starke Beanspruchung - und somit Knochenstärke - finden. (APA/red, 24.5.2015)

  • Der Anbau von Nahrungsmitteln im Verlauf der neolithischen Revolution hat das Beinskelett des Menschen verändert.
    foto: apa/epa/ghulamullah habibi

    Der Anbau von Nahrungsmitteln im Verlauf der neolithischen Revolution hat das Beinskelett des Menschen verändert.

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