Islam-Akademie: Dozent nach Kritik an Fuat Sanaç gekündigt

19. Mai 2015, 14:29
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Dozent an Religionslehrer-Akademie hatte Proporz und Antisemitismus kritisiert und erhielt Kündigungsbrief des IGGiÖ-Präsidenten

Wien – In der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) brodelt es wieder – und wieder einmal wegen umstrittener Personalentscheidungen des Präsidenten Fuat Sanaç. Diesmal geht es um den Digitalmanager und Publizisten Karim Saad, der an der Akademie IRPA islamische Religionslehrer ausbildet. Der Dozent erhielt einen Kündigungsbrief, unterzeichnet von Präsident Sanaç höchstpersönlich. Dass er Sanaç kurz zuvor öffentlich Antisemitismus vorgeworfen hat, sei kein Zufall, ist Saad überzeugt.

Auf seinem Interview-Blog nachgehakt.at ist seit Anfang April ein ausführliches Gespräch mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch zu lesen, am Rande wird darin Kritik an antisemitischen Einstellungen des IGGiÖ-Präsidenten geübt. Dieser habe auf Deutschs Ersuchen, zu Antisemitismus in islamischen Gemeinden Stellung zu nehmen, nie reagiert, heißt es in dem Interview. Zuvor hatte Saad in einem Gastkommentar im STANDARD scharfe Kritik am Proporzsystem in der Islamischen Glaubensgemeinschaft geübt.

IGGiÖ-Präsident: "Habe ihn nie gesehen"

Dass die Kündigung eine Reaktion auf diese Kritik sei, weist Sanaç auf STANDARD-Anfrage zurück. "Wäre ich auf jeden böse, der mich kritisiert, könnte ich mit niemandem mehr sprechen", so Sanaç. Vielmehr habe sich Saad in der Glaubensgemeinschaft zu wenig engagiert. "Ich kenne ihn nicht, habe ihn noch nie gesehen", so Sanaç. Die IGGiÖ sei auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen: "Wir sind klein, wir haben kein Geld, um viel Personal zu bezahlen, das ist in allen Glaubensgemeinschaften so." Saad habe diese Erwartung nicht erfüllt.

Hört man sich in der Akademie um, klingt das anders: Die Kündigung habe mit "Äußerungen Saads über die Glaubensgemeinschaft" zu tun, heißt es dort aus zuverlässiger Quelle. Ein weiterer IRPA-Mitarbeiter erzählt, die Angst vor Sanktionen gegen unliebsame Angestellte gehe in der Belegschaft schon seit längerer Zeit um – und habe nicht zuletzt dazu geführt, dass man vor einem Jahr einen Betriebsrat gründete.

Kündigung mit Formalfehlern

Dieser Betriebsrat sei über die Kündigung vorab nicht informiert worden, sagt dessen Sprecher Michael Reidegeld. Die Kündigung sei auch wegen mehrerer Formalfehler nicht rechtsgültig, man erachte sie deshalb als "gegenstandslos". Saad sagt, der Präsident habe ihm schon unmittelbar nach dem STANDARD-Kommentar mit einer Kündigung gedroht, diese sei jedoch nie bei ihm eingelangt.

Im Jahr 2009 hatte der Fall Aly El Ghoubashy für Aufsehen gesorgt: Der Feldkircher Religionslehrer hatte nach einem kritischen Gastkommentar im STANDARD ebenfalls seinen Job verloren. (Maria Sterkl, derStandard.at, 19.5.2015)

Mehr zum Thema

Das Interview mit Oskar Deutsch auf nachgehakt.at

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