Prosoziales Verhalten: Was Kinder zum Teilen motiviert

23. Mai 2015, 17:09
14 Postings

Bereits Dreijährige können nachvollziehen, wie es sich für andere anfühlt, nichts abzubekommen - und daraus Konsequenzen ziehen

München - Warum teilen wir mit anderen, wenn wir alles auch für uns selbst haben könnten? Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der Dalhousie University in Halifax konnten nun in einer Studie zeigen, dass die Bereitschaft von Kindern im Vorschulalter, mit anderen zu teilen, davon abhängt, wie gut sie die Gefühle ihres Gegenübers antizipieren können. Die Ergebnisse erschienen aktuell im Fachblatt "Social Development".

Die Entwicklungspsychologen ließen insgesamt 82 Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren einschätzen, wie es einem anderen Kind oder ihnen selbst geht, wenn man mit ihnen teilt oder auch nicht. Dabei zeigte sich: Ihr Verständnis dafür, wie es sich anfühlt, leer auszugehen, ist nicht nur unterschiedlich. Je nach Ausprägung verhalten sie sich mehr oder weniger großzügig.

"Je besser die Kinder vorhersagen konnten, dass man sich schlecht fühlt, wenn nicht mit einem geteilt wird, desto mehr waren sie in einer späteren Situation bereit, anderen etwas zukommen zu lassen", fasst Studienautor Markus Paulus zusammen.

Prosoziales Verhalten fördern

"Sich über die Folgen, die das Teilen für die Emotionen hat, klar zu sein, beeinflusst das Verhalten", sagt Paulus. "Jene Kinder, die darüber nachgedacht haben, wie das Teilen Gefühle beeinflusst, waren großzügiger." Dabei motivierte die Kinder offenbar eine drohende Enttäuschung anderer stärker als deren mögliche Freude.

"Eine mögliche Erklärung hierfür könnte der so genannte "negativity bias" sein, wonach wir von negativen Emotionen stärker beeinflusst werden als von positiven", so Paulus. Bereits ab drei Jahren verfügten die Kinder über die Fähigkeit, die Gefühle eines anderen vorwegzunehmen. Wie stark diese Fähigkeit ausgeprägt ist, unterscheide sich individuell in allen Altersgruppen.

"Kinder in den ersten zwei bis drei Lebensjahren lernen stark über Emotionen. Studien von Kollegen belegen zum Beispiel, dass Kinder, deren Eltern häufig mit ihnen über Gefühle sprechen, Emotionen bei anderen besser antizipieren können", so der Forscher. Seine Studie zeige nun, wie sich die Bereitschaft von Kindern, mit anderen zu teilen, fördern lasse: "Es hilft, ihnen die negativen Gefühle aufzeigen, die ein anderer hat, wenn er leer ausgeht." (red, 23.5.2015)

Share if you care.