Wrabetz zeigt Sympathie für Medien-Haushaltsabgabe

19. Mai 2015, 13:08
24 Postings

Schulterschluss-Signale: Wenn die ORF-Chefs Österreichs Verleger in Rom besuchen

Rom/Wien - Zumindest einmal im Jahr setzen sich Österreichs Zeitungsverleger zur Klausur zusammen und mit der Medienpolitik, meist auch Politikern auseinander. Heuer nach Verlegergedenken erstmals außerhalb Österreichs in Rom, und so getaktet, dass sich auch die Generalaudienz beim Papst ausgeht. Für irdischeren Fragen des Mediengeschäfts zog der Verband Medienmacher in Italien und Deutschland bei. ORF-Chef Alexander Wrabetz sowie Finanzdirektor Richard Grasl war - trotz Song Contest - auch dieser Weg nicht zu weit, um den medialen "Schulterschluss" zu demonstrieren.

Alleinstehende Apps

Das ORF-Ziel des Schulterschlusses in der Ferne ist durchaus bekannt, eignet sich aber auch in Rom zum medienpolitischen Meinungsaustausch mit den Verlegern: eigenständige ORF-Apps, die nicht allein Abbild eines Internetangebots sind, wie das Gesetz aus 2010 bisher vorschreibt.

Wrabetz auch in Rom: "2015 ist nicht 2010. Die Welt hat sich total verändert. Wir stehen vor großen Herausforderungen, und für den ORF gibt es im ORF-Gesetz Bestimmungen, die angesichts des dramatischen Wandels weiterentwickelt werden müssen." Als Beispiel nannte der ORF-Chef das Verbot, eigenständige inhaltliche Angebote bzw. Apps für mobile Endgeräte anbieten zu können.

"Es geht nicht darum, den Online-Werbedeckel für den ORF zu heben, sondern technische Beschränkungen der heutigen Medienwirklichkeit anzupassen und um die Weiterentwicklung von gemeinsamen Werbemöglichkeiten", sagte ORF-Finanzchef Grasl.

Sinn für Medien-Haushaltsabgabe

Wrabetz und Grasl signalisierten einen medialen "Schulterschluss" zu Leistungsschutzrecht (für Medieninhalte), einer Werbeabgabe, die künftig auch für Onlinemedien gelten soll, und Presseförderung.

Gesellschaftlicher Konsens gesucht

Eine Umwandlung der ORF-Rundfunkgebühr in eine Haushaltsabgabe mit reformierter Medienförderung, wie zuletzt vom früheren ORF-Manager Kurt Bergmann gefordert, wollte Wrabetz in Rom nicht ausschließen: "Das ist ja ein Vorschlag, den ich schon 2012 gemacht habe."

Allerdings müsste eine Haushaltsabgabe "von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen sein", der derzeit laut Wrabetz aber nicht gegeben sei.

"An einem Strang ziehen"

"Es ist wichtig, dass wir in Sachen Presseförderung, Werbeabgabe, Haushaltsabgabe und Leistungsschutzrecht an einem Strang ziehen", meinte VÖZ-Präsident Kralinger in Richtung ORF. "Wenn wir in diesen zentralen Fragen geeint auftreten, können wir den Medienstandort gemeinsam weiter entwickeln. Davon profitiert letztlich vor allem der Journalismus. Eine neu gestaltete Presseförderung könnte nach unseren Vorstellungen über eine Haushaltsabgabe finanziert werden, das wäre die Finanzierungsform, mit der sich die Unabhängigkeit der Medienlandschaft am besten gewährleisten lässt. Diesem Ansinnen steht ORF-Generaldirektor Wrabetz positiv gegenüber. Wir werden auch weiterhin mit dem ORF nicht immer einer Meinung sein. Der Wettbewerber, der uns mehr Sorgen bereitet, sitzt jedoch im Silicon Valley und nicht am Küniglberg."

Defensive in Italien

A propos Silicon Valley: Digitale Megatrends, die Lage der Zeitungen in Italien und Österreich sowie medienpolitische Fragen waren Thema der Klausur des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in Rom. "Die Herausforderungen für Verleger sind ähnlich, wenngleich die Presselandschaft Italiens durch die dominierende Stellung des Privatfernsehens stärker in der Defensive ist", sagte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger.

Von dieser "Defensive" berichteten in Rom Claudio Giua und Marco Moroni von der Gruppo Editoriale L'Espresso, die das Nachrichtenmagazin "L'Espresso" und die Tageszeitung "La Repubblica" herausgibt, sowie Carol Perrone, Vizepräsident des italienischen Verlegerverbands. Seit 2007 kämpft Italiens Presse mit signifikant rückläufigen Auflagen und einem Einbruch der Werbeeinnahmen um 50 Prozent. "Wir haben massiv gelitten, aber unsere Zeitungen haben es überlebt", sagte Perrone.

Kein Zeitungsland

Italien war für Zeitungen schon immer ein hartes Pflaster: Nur 40 Prozent der Italiener lesen Zeitungen, in Österreich sind es rund 70 Prozent. Nur fünf Prozent der Zeitungen werden in Italien per Abo vertrieben, der Rest über Kioskverkäufe, und Werbe-Blockbuster sind in Italien TV-Sender, so Giua. In Österreich liegt der Abo-Anteil von Zeitungen teils deutlich über 80 Prozent, und rund 43 Prozent der Werbung entfallen noch immer auf Printmedien.

Kralinger über die Lage in Österreich: "Mit unserem traditionell starken Abonnementen-Anteil, deutlich höheren Reichweiten sowie größeren Anteil der Zeitungen am Werbekuchen haben wir in Österreich beziehungsweise im deutschsprachigen Europa deutlich bessere Karten, den Medienwandel aktiv zu gestalten und nicht nur Beifahrer in diesem rasanten Prozess zu sein."

Funke, digital

Über Megatrends des Medienwandels berichtete Stephan Thurm, Geschäftsführer der Digital-Tochter der deutschen Funke Mediengruppe: "Mobile ist der dominierende Kanal. Video ist beziehungsweise wird zur dominierenden Nutzungsform. Inhaltsnahe Werbung - Native Advertising - wird zum dominanten Werbeformat. Werbung wird immer mehr an elektronischen Börsen gehandelt. Und Daten dominieren die Entscheidungen", so Thurm. Vor allem User-Daten und E-Commerce-Lösungen würden für Verlage immer wichtiger.

VÖZ-Präsident Kralinger wiederum dazu: "Publisher können trotz der übermächtigen Konkurrenz von Google und Facebook Geld verdienen. Dazu müssen Medien jedoch vermehrt Pfade beschreiten, die immer weniger mit der Produktion von Journalismus zu tun haben." Um auch mit Journalismus im Netz Geld verdienen zu können, brauche es jedoch "bessere Rahmenbedingungen seitens der Politik."

Die besprachen die Verleger in Rom, siehe oben, mit dem ORF-Management. Die Papst-Audienz findet am Mittwoch statt. (red, APA, 19.5.2015)

  • ORF-Chef Alexander Wrabetz kann sich für eine Umwandlung der ORF-Gebühr in eine generelle Haushaltsabgabe für Medien erwärmen: "Das ist ja ein Vorschlag, den ich schon 2012 gemacht habe."
    foto: apa/georg hochmuth

    ORF-Chef Alexander Wrabetz kann sich für eine Umwandlung der ORF-Gebühr in eine generelle Haushaltsabgabe für Medien erwärmen: "Das ist ja ein Vorschlag, den ich schon 2012 gemacht habe."

Share if you care.