Borkenkäfer brachte Bhutan und Österreich zusammen

21. Mai 2015, 10:38
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Die österreichische Entwicklungshilfe unterstützt den Himalaya-Staat vor allem in den Bereichen Wasser- und Forstwirtschaft, Tourismus sowie bei der Gerichtsbarkeit

Österreichs einziges asiatisches Schwerpunktland der Entwicklungshilfe ist Bhutan. Die Zusammenarbeit mit dem Königreich und Binnenstaat kam nicht auf dem herkömmlichen Weg über schon etablierte NGOs zustande. Es war Bhutan selbst, das sich Ende der 1970er-Jahre um Hilfe bittend an Österreich wandte, weil in den Wäldern der Borkenkäfer sein Unwesen trieb. Nach erfolgreicher Zurückdrängung der Epidemie wurde Österreich gefragt: "Wollt ihr uns bei unserer Entwicklung helfen?", erzählt Christine Jantscher, derzeitige Büroleiterin der ADA in Bhutan. Aufgrund der ähnlichen Geografie gab man Österreich den Vorzug gegenüber Finnland oder Norwegen.

1989 wurde die Zusammenarbeit formal etabliert, seit 1984 flossen rund 65 Millionen Euro aus Österreich nach Bhutan. Die Mittel gingen und gehen vorwiegend in die für Bhutan überlebenswichtigen Kernbereiche Energie und Tourismus. So wurden zum Beispiel 2.800 Haushalte, vorwiegend in sehr entlegenen, gebirgigen Gegenden, an das Stromnetz angeschlossen. Österreichische Firmen stellten auch ihr Know-how beim Bau von Wasserkraftwerken zur Verfügung. Dieser Industriesektor soll Bhutan helfen, das Handelsdefizit abzubauen und in weiterer Folge dann auch Energie nach Indien zu exportieren.

Gerichtshof im Klostergebäude

Eine wichtige Komponente der Entwicklungsarbeit war und ist es, die Justiz zu stärken. Noch immer sind bhutanische Gerichtshöfe in sogenannten Dzongs – den buddhistischen Klöstern – untergebracht. Die Infrastruktur dort lässt dementsprechend zu wünschen übrig. Es gibt keine geschützten Bereiche für Kläger, Angeklagte und das Gerichtspersonal. Die räumliche Nähe zu religiösen Führern und Heiligtümern verhindert die nötige symbolische Trennung zwischen den beiden Institutionen.

Österreich errichtete aus diesen Gründen mehrere eigenständige Gerichtshöfe. Zwei davon wurden 2014 eröffnet, zwei weitere sind im Entstehen. Auch mit der Schweiz gemeinsam wurde an den Gerichten gebaut. Zusätzlich wurde zwölf Richtern das Masterstudium im Ausland finanziert, da es in Bhutan noch kein volles Jusstudium gibt. 300 Gerichtsangestellte erhielten ein Mediationstraining, sodass viele der Konflikte schon auf lokaler Ebene gelöst werden können und gar nicht erst ein Gericht eingeschaltet werden muss.

Stromleitung über 5.000-Meter-Pass

Österreichs Projektverträge mit Bhutan laufen bis 2018. Dann soll ein Großteil davon abgeschlossen sein. Die Eröffnung eines eigenen Hotels, das an die örtliche Tourismusschule angeschlossen ist, wird noch erwartet. Außerdem sollen noch einige wenige Haushalte an das Stromnetz angeschlossen werden. "Dazu werden aber noch Studien notwendig sein, wie man eine Stromleitung über einen 5.000 Meter hohen Pass legen kann", sagt Jantscher.

Auch wenn die offizielle Entwicklungshilfe nach 2020 auslaufen wird, soll damit die Zusammenarbeit nicht beendet sein. "Wir wollen das Beziehungskapital auf jeden Fall erhalten und versuchen Universitätskooperationen und Wirtschaftspartnerschaften mit Bhutan zu stärken", so Jantscher. Teilweise funktioniert das schon sehr gut: Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) forschen in den Wäldern Bhutans über den Klimawandel, im Gegenzug kommen immer wieder bhutanische Studenten nach Wien, um ihr Studium zu absolvieren. (Teresa Eder, 20.5.2015)

  • Der Eingang zum Wasserkraftwerk Dagachhu. An der Errichtung waren Bernard, Alstom und Andritz aus Österreich maßgeblich beteiligt. Österreichische Ingenieure werden noch bis Ende September den Arbeitskräften vor Ort assistieren.
    foto: standard/eder

    Der Eingang zum Wasserkraftwerk Dagachhu. An der Errichtung waren Bernard, Alstom und Andritz aus Österreich maßgeblich beteiligt. Österreichische Ingenieure werden noch bis Ende September den Arbeitskräften vor Ort assistieren.

  • Richter Dasho Lobzang R. Yargay an seinem neuen Arbeitsplatz. Der Gerichtshof in Tsirang wurde 2014 eröffnet.
    foto: standard/eder

    Richter Dasho Lobzang R. Yargay an seinem neuen Arbeitsplatz. Der Gerichtshof in Tsirang wurde 2014 eröffnet.

  • In den Wäldern Bhutans wird unter Mithilfe der Boku Wien getestet, wie sich der Ausbleiben des Monsuns auf die Vegetation auswirkt.
    foto: standard/eder

    In den Wäldern Bhutans wird unter Mithilfe der Boku Wien getestet, wie sich der Ausbleiben des Monsuns auf die Vegetation auswirkt.

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