Möglicher Wackelstein auf dem Kometen "Tschuri" entdeckt

19. Mai 2015, 12:59
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Großer Felsbrocken in der Region "Aker" balanciert allem Anschein nach mit nur kleiner Auflagefläche auf dem Rand einer Vertiefung

Göttingen – Wissenschafter des "Osiris"-Teams der Mission "Rosetta" haben auf der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko eine außergewöhnliche Formation entdeckt. In einer Gruppe von drei gewaltigen Brocken in der Region "Aker" sticht der größte mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern besonders hervor. Aufnahmen zeigen, dass er auf dem Rand einer Vertiefung balanciert. Es könnte sich demnach um einen Wackelstein mit nur sehr kleiner Auflagefläche handeln, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen mitteilte.

foto: esa/rosetta/mps for osiris team mps/upd/lam/iaa/sso/inta/upm/dasp/ida
Der mutmaßliche Wackelstein (3) balanciert offenbar auf dem Rand einer Vertiefung.

Entstehungsprozess ungeklärt

Geologische Formationen dieser Art kommen auch auf der Erde vor: Die zum Teil riesigen Gesteinsbrocken berühren den Untergrund nur mit einem winzigen Teil ihrer Oberfläche und muten an, als würden sie jeden Moment umkippen oder herunterfallen. Einige lassen sich in der Tat bewegen und werden dann als Wackelsteine bezeichnet. Oft sind diese Felsbrocken durch die Ausbreitung von Gletschern zu ihrem heutigen Standort gelangt. In anderen Fällen trugen Wind und Wasser weicheres Gestein in der Umgebung ab und legten so den Wackelstein frei.

"Wie der mögliche Wackelstein auf dem Kometen entstanden ist, lässt sich noch nicht sagen", erklärte der MPS-Forscher Holger Sierks, der das "Osiris"-Team leitet. Es sei aber denkbar, dass auch auf "Tschuri" Transportprozesse eine Rolle spielen. So könnten Brocken durch die Aktivität des Kometen, durch die nach und nach Oberflächenmaterial abgetragen und ins All gespuckt wird, an einen neuen Standort wandern.

foto: esa/rosetta/mps for osiris team mps/upd/lam/iaa/sso/inta/upm/dasp/ida
Aufnahme der Region "Aker", in dem die drei Brocken entdeckt wurden.

Schwierige Interpretation

"Aufnahmen von der Oberfläche des Kometen richtig zu interpretieren, ist eine schwierige Aufgabe", räumte Sierks ein. Je nach Beobachtungsstandort der Raumsonde zum Zeitpunkt der Aufnahme, Beleuchtungsverhältnissen und Auflösung könnten sehr unterschiedliche und zum Teil irreführende Eindrücke entstehen.

Die Forscher wollen nun weitere Daten der Region. Neue Aufnahmen des Wackelstein-Kandidaten könnten Aufschluss über sein wahres Wesen und möglicherweise auch über seine Entstehung geben.

Die "Rosetta"-Sonde der europäischen Weltraumagentur ESA hatte im August 2014 nach zehnjähriger Reise ihren Zielkometen erreicht und umkreist seither den kleinen Himmelskörper. Im vergangenen November landete "Rosettas" Minilabor "Philae" auf dem Kometen und lieferte gut zwei Tage lang wissenschaftliche Daten, ehe seine Batterien erschöpft waren. (red, 19.5.2015)

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