Album der Woche: Martin Gores "MG"

19. Mai 2015, 10:14
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Der Depeche-Mode-Musiker veröffentlicht ein instrumentales Soloalbum

Möglicherweise haben Depeche Mode das große Glück, noch immer auch von einer jüngeren Generation wahrgenommen zu werden, weil sie sich als einer der damals beteiligten und noch immer aktiven Acts selbst in das seit Jahren grassierende 1980er-Jahre-Revival einbringen können. Die wirklich großen Jahre und großen Songs sind zwar vorbei, seit die Band Verrat an der reinen Synthiepop-Lehre beging und Martin Gore eine Gitarre in die Hand nahm, um darauf Bluesrock-Riffs zu spielen. Allerdings liefern Depeche Mode alle paar Jahre pro Album zumindest noch eine mittlere Hit-Single ab, die ihre Greatest-Hits-Welttourneen legitimiert, ohne rein im Nostalgischen zu dümpeln.

Über all die Jahrzehnte hatte Martin Gore nur zwei Mal Zeit und Muße, auch solo zu arbeiten. Auf Counterfeit 1 und 2 von 1989 und 2003 hörte man elektronische Coverversionen von Songs von Brian Eno oder Lou Reed. Zuletzt veröffentlichte Gore gemeinsam mit Ex-Depeche-Mode-Hauptsongschreiber Vince Clarke als VCMG 2012 ein selbstbetiteltes, Richtung 1990er-Jahre böllerndes Old-School-Techno-Album.

Mit den nun unter dem Titel MG vorliegenden Instrumental-Tracks, die schöne Titel wie Europa Hymn, Spiral, Elk oder Blade tragen, hält Martin Gore nun einerseits Rückschau auf die Ursprünge seiner Musik und verbeugt sich vor alten Synthiepop- und Proto-Techno-Acts wie Fad Gadget oder The Normal. Andererseits merkt man bei den teilweise für seine Verhältnisse durchaus sperrigen Stücken, dass er aktuelle Electronic-Acts und Sounds durchaus auf dem Radar hat.

Die immer wieder aufpoppenden Melodien und Hooklines kann man dem Meister des synthetischen Stadionrocks ohnehin nicht austreiben. Dass Gore einmal ohne Texte, also ohne Jesus, meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld und anschließend die Sühne auskommt, ist sowieso super. (schach, Rondo, 19.5.2015)

Martin Gore: MG (Mute)

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