Ramadi: Schiitische Milizen sammeln sich für Gegenoffensive

19. Mai 2015, 17:12
74 Postings

Uno: Rund 25.000 Menschen auf der Flucht nach Einnahme durch IS

Bagdad – Für die Rückeroberung der Stadt Ramadi von der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) hat die irakische Führung schiitische Milizen um Verstärkung gebeten. Unterdessen hat der weitere Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eine neue Flüchtlingstragödie ausgelöst. Nach der Einnahme Ramadis flohen nach UN-Angaben knapp 25.000 Menschen aus der Region.

Die meisten von ihnen versuchten, in die Hauptstadt Bagdad zu gelangen, teilte die Regionalstelle des UN-Nothilfebüros (Ocha) im Irak mit. "Derzeit ist nichts wichtiger, als den Flüchtlingen aus Ramadi zu helfen", sagte UN-Hilfskoordinatorin Lise Grande. "Sie sind in großen Schwierigkeiten, und wir müssen alles Menschenmögliche tun, um ihnen zu helfen."

Flüchtlingen den Weg versperrt

Die Sunniten im Westirak werfen der Regierung des Landes vor, Tausenden Flüchtlingen aus Ramadi den Weg nach Bagdad zu versperren. Die Menschen könnten den Euphrat nicht überqueren, weil südöstlich von Ramadi eine Brücke über den Fluss gesperrt sei, sagte der Vorsitzende des Provinzrates von Al-Anbar, Sabah Karchut.

Seit Tagen müssten die Flüchtlinge auf der Erde schlafen. Unter ihnen seien viele Frauen, Kinder und Ältere. Offenbar hat die Regierung Angst, unter die Flüchtlinge könnten sich IS-Kämpfer gemischt haben, um unbemerkt nach Bagdad zu kommen. Sicherheitskreise erklärten, die Menschen könnten die Brücke passieren, wenn sie sich als Flüchtlinge aus Al-Anbar ausweisen könnten. IS-Kämpfer hatten Ramadi am Wochenende unter vollständige Kontrolle gebracht. Nach UN-Angaben sind 25.000 Menschen aus der Region auf der Flucht.

Gegenoffensive

Iraks Regierung beschloss am Dienstag zugleich nach eigenen Angaben, neue Kräfte für die Rückeroberung Ramadis zu rekrutieren. Iraks Kabinett segnete auch den Einsatz schiitischer Milizen ab, die das Militär bei der geplanten Gegenoffensive in Ramadi unterstützen sollen. Bereits am Montag waren rund 3.000 Kämpfer der bewaffneten Gruppen auf einem Militärstützpunkt östlich von Ramadi eingetroffen.

Den IS-Extremisten waren bei der Eroberung am Sonntag mehrere Panzer und schwere Waffen in die Hände gefallen. Rund 500 Menschen wurden nach Angaben der irakischen Behörden getötet. Der Verlust der Stadt 100 Kilometer vor Bagdad ist der schwerste Rückschlag für Iraks vor acht Monaten angetretenen Regierungschef Haider al-Abadi. Er war nach Absprache mit den USA zunächst davor zurückgescheut, zur Abwehr des IS in der mehrheitlich sunnitischen Anbar-Provinz neben den Regierungstruppen auch die bereitstehenden Schiiten-Milizen (Hashed al-Shaabi) einzusetzen.

"Wenn Bedingungen erfüllt sind"

"Die Hashed haben begonnen, in Gebieten östlich von Ramadi einzutreffen", sagte Brigadegeneral Ali al-Majidi AFP. Dort gebe es weiter Angriffe des IS, die vor dem Beginn des Sturms auf das Stadtzentrum eingedämmt werden müssten. Der Polizeichef der Anbar-Provinz, Kadhim al-Fahdawi, erklärte: "Die Befreiung von Ramadi wird erst beginnen, wenn alle Bedingungen dafür erfüllt sind."

"Die USA und Bagdad scheinen sich einig zu sein, dass die Stadt angegriffen werden muss, bevor sich der IS darin festsetzt", sagte der Militärexperte Michael Knights vom Washington Institute. Mit seinem Versuch, auf Wunsch Washingtons den sunnitischen Stämmen einen größeren Platz einzuräumen, habe sich Regierungschef Abadi "verrechnet", sagte der irakische Fachmann Ihsan al-Shammari. Wichtiger, als die politischen und religiösen internen und regionalen Kräfteverhältnisse auszubalancieren, sei es, keinen Boden an die Extremisten zu verlieren. (APA, dpa, 19.5.2015)

Share if you care.