"Wie ein umgekehrtes Pensionssystem"

18. Mai 2015, 18:43
199 Postings

Die Vereinbarungen zwischen dem Ski-Verband und seinen Athleten: Eine Seite redet von Solidarität, die andere von Knebelung

Innsbruck/Wien - Österreich hat Anna Fenninger viel zu verdanken - Olympiagold 2014, zweimal WM-Gold 2015 und aktuell die Tatsache, dass landauf, landab vom "System ÖSV" oder auch vom "System Schröcksnadel" geredet wird. Der ÖSV ist erst richtig groß geworden, seit Schröcksnadel am Ruder sitzt, seit 1990. In seiner Amtszeit, tönt der Innsbrucker, habe er "das ÖSV-Budget verzehnfacht", aktuell liegt es bei vierzig Millionen Euro. Der geringste Teil, sagte Schröcksnadel kürzlich dem Standard, komme aus öffentlichen Mitteln. "Partner und Sponsoren bestreiten 95 Prozent unseres Budgets."

Steuermittel lukriert der ÖSV nicht zuletzt über Großevents. Die Ski-WM 2013 in Schladming verschlang 190 Millionen Euro, in die Biathlon-WM 2017 (Hochfilzen) fließen 15 Millionen, davon sechs in die Infrastruktur. Gefördert werden auch die Skiflug-WM 2016 (Kulm) oder die nordische Ski-WM 2019 (Seefeld), wobei die Förderumfänge hier noch nicht feststehen.

Angewiesen ist der ÖSV natürlich auch auf Erfolge seiner Athletinnen und Athleten. Diesen legt der Verband gleich zu Beginn ihrer Karrieren Erklärungen vor. Ohne unterschriebene Lizenzerklärung, Verhaltensordnung und Ausführungsbestimmungen für Werbung gibt es keine Rennläuferlizenz. Viele fahren damit gut, weil ihnen der ÖSV mehr aufstellt, als sie selbst aufstellen könnten. Nur die Besten fahren quasi schlechter, auch darauf wies Fenninger mit ihrer an die Öffentlichkeit gelangten E-Mail-Nachricht hin. Sie oder ihr deutscher Manager Klaus Kärcher muss, wenn sie mit einem ÖSV-fremden Kopfsponsor werben will, aufs ÖSV-Placet hoffen.

Ansichtssache

"Knebelvertrag", tönt es von der einen Seite, für den in der "Presse am Sonntag" zitierten Stuttgarter Anwalt Markus Wekwerth sind die ÖSV-Athletenvereinbarungen "eine kartellrechtliche Katastrophe". Seitens des ÖSV hingegen spricht man von einem "freiwilligen Solidaritätspakt".

Laut Hans Pum, dem Sportdirektor des Skiverbands, seien die ÖSV-Deals mit den Aktiven "wie ein umgekehrtes Pensionssystem. Athletinnen und Atheten, die selbst in jungen Jahren vom Verband gefördert wurden, zahlen später, wenn sie erfolgreich sind, zehn Prozent zurück. So funktioniert das System. Aber wenn die Athletinnen und Atheten dann nicht mehr loyal zum Verband und seinen Partnern stehen, funktioniert es nicht mehr." Für Pum ist der Skisport "ein Kulturgut in Österreich, das erhalten bleiben soll." Dafür sorge der ÖSV.

Die Causa Fenninger legte ÖSV-Chef Schröcksnadel in die Hände von Sportdirektor Pum. Er will sich einmischen, wenn Pum mit Fenninger und Kärcher "auf keinen grünen Zweig kommt. Aber eigentlich will ich mich nicht einmischen". (Fritz Neumann, 18.5.2015)

  • Mit Marcel Hirscher ist Peter Schröcksnadel auf einen grünen Zweig  gekommen, bei Anna Fenninger hält sich der Präsident heraus.
    foto: apa/bka/wenzel

    Mit Marcel Hirscher ist Peter Schröcksnadel auf einen grünen Zweig gekommen, bei Anna Fenninger hält sich der Präsident heraus.

Share if you care.