Fachartikel über das Higgs-Boson hat 5.154 Koautoren

18. Mai 2015, 20:49
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Einzigartiges Autorenaufkommen ist Ergebnis einer Autorenkooperation zweier Teams am LHC in Genf

London - Das gab es noch nie: Am 14. Mai erschien im renommierten Fachblatt "Physical Review Letters" ein Artikel, der 33 Seiten lang ist, doch nur auf den ersten neun Seiten geht es um die Forschungsergebnisse. Die restlichen 24 Seiten des Aufsatzes, der die genaueste Bestimmung der Masse des Higgs-Teilchens liefert, enthalten die Namen von 5154 Forschern, die an der Studie beteiligt waren.

Der Grund für dieses in der bisherigen Wissenschaftsgeschichte einzigartige Autorenaufkommen liegt in einer weiteren Premiere: Die Studie ist die erste, die vom Atlas- und CMS-Team gemeinsam vorgelegt wird, die am Large Hadron Collider am Cern in Genf sonst eigentlich in "kooperativer Konkurrenz" zueinander stehen.

Komplizierte Fusion der Autorenlisten

Das größte Problem bei der Publikation sei gewesen, die beiden etwas anders organisierten Autorenlisten zu vereinigen, sagte Robert Garisto, ein Herausgeber der Zeitschrift, gegenüber "Nature News". Zugleich zeigte er sich beeindruckt, wie gut die beiden Teams auf die Verbesserungsvorschläge durch das Peer-Review und die Herausgeber reagierten.

Einen Tag nach Publikation des Rekordaufsatzes erschien in "Nature" ebenfalls von einem Cern-Team ein Artikel über einen seltenen Teilchenzerfall mit 2700 Koautoren. Doch im Gegensatz zu den "Physical Review Letters" entschloss man sich, bei der Druckausgabe auf deren Auflistung verzichten.

"Hyperautorenschaft" auch in der Genomik

In der Vorwoche hatte in Sachen "Hyperautorenschaft" - so der Fachausdruck für das relativ neue Phänomen - auch noch ein Genetik-Artikel für Aufregung gesorgt: Ein Genomik-Artikel über Drosophila (genauer: über die Sequenzierung eines speziellen Genom-Abschnitts namens Muller F-Element) brachte es auf gut 1000 Ko-Autoren, davon 900 Studierende. Das warf natürlich die Frage auf, ob die insgesamt 1014 Forscherinnen und Forscher auch wirklich ihren Teil zur Studie beigetragen haben.

Äh, und die neue Erkenntnis der Studie - außer der, dass auch die Biologie längst zur Big Science geworden ist: Das Muller-F-Element dürfte sich seit 40 Millionen Jahren in Fruchtfliegen annähernd unverändert erhalten haben. (tasch, 19.5.2015)

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