Auf dem Weg zum selbstgebrauten Heroin

18. Mai 2015, 17:48
85 Postings

US-Forschern gelang es, Opiate mittels Mikroorganismen aus Zucker herzustellen. Experten warnen indes vor neuen Herausforderung für die Behörden

Berkeley/Wien - "Breaking Bad" hat es vorgezeigt: Wissenschaft kann nützlich sein, wenn es um die synthetische Herstellung von Drogen im Heimlabor geht. War es im Fall der beliebten US-Serie die Chemie, der dank "Heisenberg" zu neuer Popularität verholfen wurde, so könnte in Zukunft die Biotechnologie den Herstellungsprozess von Opiaten revolutionieren.

US-Forscher haben nämlich Bierhefe mit einigen Tricks dazu gebracht, aus Zucker eine Schlafmohnsubstanz zu produzieren, die der Vorläufer vieler Opiate und anderer Arzneien ist. Und diese bahnbrechenden neuen Erkenntnisse könnten die illegale Produktion vieler Drogen massiv erleichtern, warnen Experten.

Aus Glukose wird Reticulin

Was aber ist das Revolutionäre an der neuen Methode? Das Team um John Dueber von der Universität von Kalifornien in Berkeley suchte einen Weg, sogenannte Benzylisochinoline (BIAs) von Mikroorganismen herstellen zu lassen. Zu diesen Stoffen im Schlafmohn (Papaver somniferum) zählen neben Opiaten wie Morphin oder Codein auch Antibiotika, der krampflösende Wirkstoff Papaverin oder Krebsmittel.

Indem die Wissenschafter die Hefe mit Enzymen etwa der Zuckerrübe ausstatteten, erzeugten sie aus einem Glukose-Abkömmling den Schlafmohnbestandteil Reticulin, wie sie im Fachblatt "Nature Chemical Biology" berichten. Die weiteren Schritte - zu Morphin oder anderen Substanzen - sind nach ihren Angaben eher Formsache. "Mit unserer Studie sind nun alle Schritte beschrieben, und es geht nur noch darum, sie zusammenzubringen und die Produktion aufzustocken", erklärt John Dueber.

Pamela Peralta-Yahya vom Georgia Institute of Technology in Atlanta hält die Studie in einem Nature-Kommentar für bahnbrechend: "Diese Arbeit öffnet die Tür dazu, komplexe BIAs direkt aus Glukose herzustellen." Das Produktionsverfahren dürfte freilich auch Regulierungsbehörden vor neue Herausforderungen stellen. Denn damit könne man Opiate oder andere rechtlich regulierte Stoffe schon in wenigen Jahren selbst erzeugen.

Schwierige Überwachung

Derzeit werde etwa Morphin noch aus Schlafmohn produziert, der illegal vor allem in Afghanistan, Mexiko, Laos und Myanmar angebaut werde, schreiben drei weitere Wissenschafter des MIT und der kanadischen Universität von Alberta in einem zweiten Nature-Kommentar und fordern staatliche Kontrolle: "Denn prinzipiell könnte jeder mit Zugang zu dem Hefestamm und Grundkenntnissen in Fermentierung mit einem Heimset zum Bierbrauen Morphin-produzierende Hefe kultivieren."

Die Forscher fordern, die neuen Hefestämme zu überwachen und nur lizenzierten Wissenschaftern zur Verfügung zu stellen. Dueber hält das für schwierig: "Wenn das Wissen darum, wie man einen opiatproduzierenden Stamm erzeugt, erst einmal da draußen ist, kann das theoretisch jeder mit Grundkenntnissen in Molekularbiologie machen." (tasch, dpa, 18.5.2015)

  • Opium statt Bier: Eingeschleuste Enzyme  lassen Hefe Reticulin produzieren. Und daraus kann man alle möglichen  Drogen herstellen.
    foto: william deloache / uc berkeley

    Opium statt Bier: Eingeschleuste Enzyme lassen Hefe Reticulin produzieren. Und daraus kann man alle möglichen Drogen herstellen.

Share if you care.