Krisenregion Zentralasien: Politik ist gefordert

Kommentar der anderen19. Mai 2015, 10:00
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Eine Verkettung unglücklicher Umstände belastet die Wirtschaft der Länder schwer

Die Region Kaukasus und Zentralasien (CCA) wurde von mehreren globalen und regionalen Schocks heimgesucht: Preisverfall bei Öl sowie anderen Rohstoffen, Währungsschwankungen bei Dollar und Rubel und die Folgen der wirtschaftlichen Abkühlung Russlands. Diese Schocks schwächen die Wachstumsaussichten der Region und werden wahrscheinlich lang anhalten. Die Regierungen und Zentralbanken müssen darauf reagieren.

Die Wirtschaftsprognose für die Region für 2015 sinkt um zwei Prozentpunkte auf 3,5 Prozent, weit unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. Für die Schaffung von Arbeitsplätzen ist das zu wenig. Den stärksten Rückgang verzeichnen jene Länder, die Öl und Gas vor allem aus Russland importieren.

Die Erholung dürfte 2016 und danach weitaus geringer ausfallen als nach früheren Schwächephasen - etwa nach der Russlandkrise 1998/99 und der Weltfinanzkrise 2008/09, als sich die CCA-Region jeweils schnell erholte. Das ist auch die Folge einer von niedrigen Investitionen und fehlenden Reformen geschwächten Binnenwirtschaft. Darüber hinaus erhöhen heimkehrende und weniger neue Migranten den Druck auf Arbeitsmärkte und Sozialsysteme.

Die politische Reaktion auf die Herausforderungen war bisher kurzfristig und unsystematisch. Verständlicherweise versuchen viele Länder Konjunkturbelebung durch neue Staatsausgaben, sie müssen allerdings mittelfristig ihre Haushalte konsolidieren.

Der Verfall der Währungen reicht bisher nicht aus, um den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, die Verschlechterung der Leistungsbilanz und den Rückgang der Währungsreserven zu verhindern. Er erzeugt allerdings Inflationsdruck, was eine straffere Geldpolitik erzwingen könnte. Eine Kombination aus Abwertung, Liquiditätsknappheit im Inland, hohen Zinsen und nachlassendem Wachstum setzt den Bankensektor vor allem in den Ländern mit vielen ungesicherten Fremdwährungskrediten unter Druck.

Daher müssen die Aufsicht des Finanzsektors sowie die Regelwerke der Geld- und Fiskalpolitik verbessert werden. Dies verlangt mehr Transparenz, bessere Kommunikation, mehr Rechenschaft und eine längerfristige Ausrichtung.

Tiefergreifende Strukturreformen würden das Wachstum mittelfristig erhöhen und Arbeitsplätze schaffen. Im Fokus der Reformen sollten Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die stärkere Integration in die Weltwirtschaft und eine Verbesserung der Gesundheits- und Bildungssysteme stehen. Mit der richtigen Politik bietet diese schwierige wirtschaftliche Phase die Chance, die Menschen in der Region in eine bessere Zukunft führen. (Juha Kähkönen, 19.5.2015)

Juha Kähkönen ist Vizedirektor für Nahost und Zentralasien im Internationalen Währungsfonds. Der "IMF Regional Economic Outlook Update for the Middle East and Central Asia" erscheint heute.

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