Die wachsende Macht von VW im deutschen Fußball

18. Mai 2015, 16:20
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Europas größter Autobauer ist durch den Aufstieg des von Ralph Hasenhüttl trainierten FC Ingolstadt an drei Erstligisten beteiligt

Wolfsburg/Ingolstadt - Kein Konzern hat mehr Einfluss auf die deutsche Fußball-Bundesliga als Europas größter Autobauer. Durch den Aufstieg des FC Ingolstadt ist VW jetzt an drei Erstligisten beteiligt. Nicht jeder findet das gut.

Gut gelaunt parlierte Martin Winterkorn über einen seiner derzeitigen Lieblingsspieler. "Die Hoffnung, ihn zu halten, ist sehr groß", sagte der Volkswagen-Chef am Samstag über Kevin de Bruyne: "Der VfL wird alles dafür tun, dass das funktioniert. Große Spiele werden durch große Spieler entschieden, und so einer ist er."

Winterkorn ist ein großer Player, wenn auch außerhalb des Platzes. Der 67-jährige Manager ist VW-Boss und spätestens seit dem Aufstieg des von Ralph Hasenhüttl trainierten FC Ingolstadt auch Chef des Unternehmens mit der meisten Macht im deutschen Fußball. An drei Erstligisten ist VW in der kommenden Saison direkt beteiligt, doch das ist längst nicht alles.

"Werksclub-Gelaber"

Schon bei De Bruyne könnte es kniffelig werden. Falls demnächst das kolportierte Interesse des FC Bayern München an dem Starspieler der hundertprozentigen Volkswagen-Tochter ernsthaft wird, dann dürfte Winterkorn es bald erfahren - denn er sitzt auch im Aufsichtsrat des deutschen Fußballmeisters, an dem der Wolfsburger Konzern über das Tochterunternehmen Audi beteiligt ist. Eine offizielle Funktion bei der Fußball GmbH des VfL hat Winterkorn nicht. Das ist aber auch nicht notwendig.

Die VW-Verstrickungen sind nicht zu übersehen, und sie sind durch den Aufstieg des FC Ingolstadt nicht geringer geworden. Auch am Erstliga-Neuling ist der Konzern über Audi beteiligt, das Stadion gehört dem Unternehmen sogar komplett.

Über das Thema wird öffentlich nicht so gerne geredet. "Wir sind ein Verein, deswegen weigere ich mich auch, über dieses Werksclub-Gelaber zu diskutieren, weil es definitiv nicht so ist", sagte Peter Jackwerth, Vorstandschef des FC Ingolstadt, dem Bayerischen Rundfunk. "Der Verein hat über 80 Prozent, dann wäre Bayern auch ein Werksclub." Die Münchner halten 75 Prozent, den Rest (je 8,33 Prozent) teilen sich Adidas, Audi und Allianz.

100 Prozent hält VW am VfL Wolfsburg, alimentiert die Fußball GmbH pro Saison mit sehr hohen Millionenbeträgen im zweistelligen Bereich. Ohne den Konzern, das ist klar, wären Spieler wie De Bruyne oder Andre Schürrle nicht in Wolfsburg. Die Höhe des millionenschweren Volkswagen-Engagements für den Fußball ist ein Geheimnis. Details zu den Summen sind tabu für die Öffentlichkeit. Die Bilanz des Profifußballs im VfL Wolfsburg verschwindet über die VW-Tochter Autovision in der großen Konzernbilanz.

Rechtlich alles in Ordnung.

Was passiert, wenn Ingolstadt in einem Jahr dringend Punkte im Kampf um den Klassenerhalt benötigt und auf den als Meister feststehenden FC Bayern trifft? Oder auf den als Vizemeister feststehenden VfL Wolfsburg? Solche und ähnliche Fragen stellen sich die Fans. Die Liga-Verantwortlichen tun das nicht - zumindest nicht öffentlich.

Rechtlich ist das alles in Ordnung. Der Ligaverband hat im März eine Beschränkung der Mehrfachbeteiligung von Unternehmen und Investoren im deutschen Profifußball beschlossen, aber DFL-Chef Christian Seifert betonte, dass es eine Ausnahme bei dieser Regelung gebe: "Für den Volkswagen-Konzern besteht ein Bestandsschutz." Schon bei der sogenannten 50+1-Regel wurde für den VfL Wolfsburg, ebenso wie für Bayer Leverkusen, eine Ausnahme gemacht.

Der Automobilbauer ist ein wichtiger Geldgeber des Fußballs, nicht nur durch die direkte Beteiligung an drei Clubs. VW ist auch ein spendabler Sponsor, etwa für den DFB-Pokal und bei insgesamt 16 Clubs in den beiden höchsten deutschen Ligen. Mancher klagt schon über ein VW-Kartell im Profifußball.

Die Kritik aus der Liga ist kaum wahrnehmbar oder leise. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warnte vor den finanziellen Möglichkeiten der Wolfsburger: "Wenn VW das richtig ernst nimmt, werden alle Grenzen gesprengt." Der BVB könnte von erhöhten VW-Aufwendungen auch profitieren, immerhin gehört die VW-Tochter MAN zu den Sponsoren des Clubs. (APA, 18.5.2015)

  • Die zweite Liga ist in Ingolstadt Geschichte.

    Die zweite Liga ist in Ingolstadt Geschichte.

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