Der große Mief des Sommers

Kolumne19. Mai 2015, 07:00
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Andere darauf aufmerksam machen, dass sie nach Schweiß riechen, ist eigentlich ein No-Go – aber manchmal echt notwendig für die soziale Verträglichkeit

Mit dem warmen Temperaturen beginnt er wieder: Der Mief in der U-Bahn. Ist schon klar: Irgendwie schwitzt der Mensch halt zur Körperkühlung und irgendwie ist das ja auch so gedacht von der Natur. Die alles entscheidende Frage ist: Darf man, wenn andere Menschen in der Nähe sind, dabei unangenehm riechen?

Okay, man darf Knoblauch, Zwiebel und Currywurst essen (und dann tagelang ausdünsten), man darf saufen (und eine Fahne und eine Nachalkoholfahne haben), wenn man an die olfaktorische Übertünchung im Nachhinein denkt. Schwierig ist, wenn der Schwitz in den Kleidern steckt: Besonders gefährlich sind Blusen und T-Shirts aus Kunststoffen, aus Polyester zum Beispiel, man sollte einmal einen Chemiker fragen, warum Schweiß dann so bestialisch riecht. Reine Annahme: Schweiß selbst, stinkt selten, nur seine Zersetzung, das Milieu unter Polyester, dürfte ganz besonders gut für den Abbau von Bakterien sein.

Die Nase als Leitmedium

Was noch riecht: Kleider, die zwei Mal getragen werden, bevor sie im Wäschekorb landen. Ökologisch betrachtet mag das Wasser- und Waschmittelsparen also durchaus positiv sein, sozial betrachtet ist es durchaus problematisch, wenn der Nachbar in der U-Bahn einem den Atem raubt und man auf dem Weg zur Arbeit bereits frühmorgens kollabiert.

Die alles entscheidende Frage ist nun, ob man andere Menschen in seinem persönlichen Umfeld auf ihren Mief aufmerksam machen darf, oder ob das einfach eine zu große Frechheit ist. Unbestritten ist: Es braucht Mut, jemand anderen darauf aufmerksam zu machen. Eine elegante Variante ist, ein Deodorant zu schenken oder – wenn es im Büro ist – anonym auf den Schreibtisch zu stellen. Bleibt die Hoffnung, dass der Wink mit dem Zaunpfahl dann auch verstanden wird.

Aluminium oder nicht

Wenn es an die Methoden zur Bekämpfung des Schweißgeruchs geht, zählen dann natürlich auch noch andere Argumente. Dass die Diskussion um die Aluminiumsalze in Deodorants ein Dauerbrenner ist, ist Tatsache. Beweise, dass Aluminiumsalze Krebs auslösen können, wie oft behauptet, gibt es aber nicht. Ein Leben besteht einfach aus zu vielen Faktoren (Zigaretten, Sonne, Alkohol, Stress, Gene, Ernährung), als dass sich ein Krankheitsgeschehen auf einen singulären Faktor reduzieren ließe.

Wer Deos mit Aluminiumsalzen wählt, hat die Sicherheit, dass die Achseln bis zum Schlafengehen geruchsfrei bleiben. Wer lieber die Produkte aus der Naturkosmetik wählt, muss – sollte der Tag sehr stressig und aufregend sein – mehrmals nachsprühen. Die Schweißzersetzungsbakterien sind einfach stärker als sanfte Deos.

Abzuraten ist es, einem Stinker in seiner täglichen Umgebung ein schwaches Deo zuzuspielen, das der oder diejenige dann zwar verwendet – aber weiter mieft. Denn zweimaliges "Aufs-schlecht-riechen-aufmerksam machen " geht dann wahrscheinlich nicht. Abgesehen davon, dass Geruchsempfindliche per se unsympathisch sind, könnte man ihnen dann vorwerfen, sie machen Mobbing, komisch, dass das immer im Sommer ist. (Karin Pollack, 18.5.2015)

  • Riecht es oder riecht es nicht: Ein wirkungsvolles Deodorant ohne Aluminiumsalze kommt vom australischen Naturkosmetikkonzern Aesop. Riecht nach Vetiver. Wer Salbei und aluminumfrei will, hat mit Weleda eine gute Variante.
    foto: aesop

    Riecht es oder riecht es nicht: Ein wirkungsvolles Deodorant ohne Aluminiumsalze kommt vom australischen Naturkosmetikkonzern Aesop. Riecht nach Vetiver. Wer Salbei und aluminumfrei will, hat mit Weleda eine gute Variante.

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