Nach "Progress"-Panne: Umlaufbahn der ISS erfolgreich angehoben

18. Mai 2015, 12:13
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Manöver beim zweiten Versuch erfolgreich - Russlands Vize-Regierungschef: "Systemkrise der russischen Raumfahrt"

Moskau - Nach einer länger anhaltenden Pannenserie gibt es erstmals wieder positive Nachrichten von der russischen Weltraumbehörde Roskosmos: Nach einem gescheiterten ersten Anlauf ist ein Einsatz des Weltraumfrachters "Progress M-26" an der Internationalen Raumstation ISS beim zweiten Versuch geglückt. Der Transporter sei am Montag neu gestartet worden und habe dann wie geplant die Umlaufbahn der ISS korrigiert, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten.

Der Einsatz habe etwa eine halbe Stunde gedauert, die Umlaufbahn sei um 2,8 Kilometer angehoben worden. Die Lage der ISS wird regelmäßig mit Hilfe von Motoren korrigiert, wenn die Station an Höhe verliert. Die sechs Raumfahrer an Bord der ISS waren nicht beteiligt an der Operation. Die ISS bewegt sich jetzt rund 405 Kilometer über der Erde. Das Manöver soll kommenden Monat die Rückkehr von drei Besatzungsmitgliedern der ISS zur Erde ermöglichen.

Probleme mit Antriebssystem

Der erste Versuch war in der Nacht auf Samstag gescheitert, weil das Antriebssystem des Raumfrachters nicht ansprang. Dies hatte Steuerprobleme der ISS verursacht. Damit musste Roskosmos am Wochenende zwei Fehlschläge in Folge einstecken. Nur einige Stunden nach der "Progress"-Panne wurde bei einer "Notfallsituation" beim Start einer Proton-M-Trägerrakete ein mexikanischer Satellit zerstört.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies Roskosmos-Chef Igor Komarow an, die Verantwortlichen für den Verlust des Satelliten auszumachen. Erst vor eineinhalb Wochen verfehlte ein Progress-Transporter mit Nachschub für die ISS nach dem Start wegen einer defekten "Sojus"-Trägerrakete die vorgesehene Umlaufbahn und geriet vollständig außer Kontrolle. Der Frachter verglühte am 8. Mai beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Pannenserie mit Konsequenzen

Nach dem Vorfall hatte die russische Weltraumbehörde die Rückkehr dreier ISS-Crewmitglieder um ein Monat verschoben. Ursprünglich hätten der Russe Anton Schkaplerow, der US-Raumfahrer Terry Virts und die Italienerin Samantha Cristoforetti schon am 14. Mai zur Erde zurückkehren sollen, nun müssen sie bis Juni warten.

Der "Progress"-Absturz hat auch Auswirkungen auf den Start der nächsten bemannten ISS-Mission: Ehe diese starten kann, muss die Ursache für die Fehlzündung der "Sojus"-Trägerrakete gefunden werden.

"Systemkrise" der russischen Raumfahrt

Der für die Raumfahrt zuständige Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin sprach russischen Medien zufolge von einer "Systemkrise". Nach Katastrophen 1988 und 2014 seien zwar jeweils Untersuchungskommissionen gegründet und Konsequenzen gezogen worden, dennoch gebe es immer neue Havarien. Der Politiker forderte die Roskosmos-Führung auf, etwaige Missstände umgehend zu beseitigen.

"Die Havarien sind Folgen einer Systemkrise in der Raumfahrt, aus der Roskosmos noch nicht herausgefunden hat", sagte Rogosin. Er kündigte einschneidende Reformen an. Geplant sei ein neuer großer Staatskonzern mit technischen Neuausstattungen und besserer Bezahlung für Spezialisten.

Vorzeigeprojekt in der Krise

Experten warnten, dass die Pannen Russlands führende Marktposition für Raumfahrtdienstleistungen gefährden könnten. Die Branche sei wegen oft veralteter Technik, zu wenig qualifiziertem und oft unterbezahltem Personal nicht konkurrenzfähig. Dabei will Roskosmos in diesem Jahr Dutzende Satelliten ins All schicken und so auf diesem umkämpften Markt Millionen einnehmen.

Probleme gibt es auch beim Bau des neuen Weltraumbahnhofs Wostotschny. Dort hatten Arbeiter im April zeitweilig mit einem Hungerstreik wegen ausstehender Löhne protestiert, Mutmaßungen über ausschweifende Korruption wurden laut. Wostotschny gilt als eines der wichtigsten strategischen Projekte Russlands. Die 2010 begonnenen Bauarbeiten liegen allerdings weiter hinter dem Bauplan zurück. (APA, red, 18.5.2015)

  • Die Umlaufbahn der Raumstation konnte erfolgreich angehoben werden.
    foto: nasa

    Die Umlaufbahn der Raumstation konnte erfolgreich angehoben werden.

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