Mögliche Flüchtlingsmisshandlung in Hannover: Ermittlungen

18. Mai 2015, 10:21
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Oberstaatsanwalt: Privatwohnung und Arbeitsplatz eines Polizisten durchsucht

Hannover - Die Staatsanwaltschaft Hannover hat wegen des Verdachts der Misshandlung von Flüchtlingen in einer Wache der Bundespolizei in Hannover Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten aufgenommen. Zwei Zeugen hätten den Ermittlern einen Hinweis gegeben und "Material übergeben", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Montag in Hannover.

Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft am Freitagnachmittag die Privatwohnung und den Arbeitsplatz des Verdächtigen durchsuchen lassen. Um welches Material es sich genau handle, ließ Klinge offen.

In der Privatwohnung fanden die Ermittler demnach eine Waffe. Derzeit werde geklärt, ob die Waffe scharf sei und ob der verdächtige Beamte sie besitzen durfte, sagte Klinge.

Mehrere Übergriffe vorgeworfen

Nach gemeinsamen Recherchen des NDR-Fernsehmagazins "Hallo Niedersachsen" und des Radiosenders NDR Info soll es im vergangenen Jahr mehrfach Übergriffe auf Menschen in den Gewahrsamszellen der Bundespolizei in Hannover gegeben haben. In einem Fall soll den Berichten zufolge ein Flüchtling aus Afghanistan gewürgt und mit angelegten Fußfesseln durch die Wache geschleift worden sein. In einem anderen Fall bestehe der Verdacht, dass ein Marokkaner in der Zelle gezielt erniedrigt wurde.

Nach Informationen des Senders soll sich der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Beamte im Kurzmitteilungsdienst WhatsApp solcher Handlungen gerühmt haben und außerdem ein Foto gemacht und an Kollegen verschickt haben. Das Bild zeige einen gefesselten Menschen in unnatürlicher Haltung und mit erkennbar von Schmerz verzerrten Gesichtszügen. Auf dem Foto sind die Stiefel zweier Beamter zu sehen. (APA, 18.5.2015)

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