Kawasaki Versys 1000: Kein Neid, kein Leid

20. Mai 2015, 12:15
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Die Tausender-Versys ist komplett neu. Von den Bremsen bis zum Hauptständer. Das Grundkonzept aber, das bleibt gleich

Sie ist so angenehm, die Sitzposition. Aufrecht, hoch oben und doch gut ins Motorrad integriert. Die Versys 1000 ist vielleicht die direkteste Übersetzung eines SUV in die Zweirad-Welt. Sie bringt eine Reihe von Merkmalen, die man aus dem Offroad-Segment kennt, auf die Straße. Und so viel ist klar: Ins Gemüse will die Versys nicht. Lieber nimmt sie sich mehrere hundert Kilometer Autobahn unter die Räder.

Vor allem der Reihen-Vierzylinder macht die große Reise-Enduro zu einem souveränen Gefährten für den schnellen Trip ans Ende der Welt – so lange dorthin eine Asphaltstraße führt. Zwar kann man in den Rasten hervorragend stehen, merkt dabei aber sofort, dass diese Fahrweise nicht im Lastenheft der Ingenieure stand. Komfort war dort zu finden, Praktikabilität und weiter hinten im Heftchen wohl auch Sportlichkeit.

Mit 120 PS und dem Drehmoment von mehr als 100 Newtonmeter geht die Maschine schon richtig gut. Selbst der deutlich übermotorisierte Sportwagen, der die Ampel mit dem Signalwerk einer Rennstrecke verwechselt, müsste im Grunde ganz fürchterlich klein beigeben. Ja, genau, müsste. Die große Versys strahlt so viel Souveränität aus, dass ich den Sportwagen-Piloten, der die Reifen quietschen lässt, ziehen lasse. Sein Siegeslächeln wird ohnedies nur kurz währen. Bis dorthin, wo ihm das Licht aufgeht, dass ich weiß, wo die Radarkästen stehen, und er nicht.

Kein Siegerlächeln

So oder so kommen wir an der nächsten Ampel nebeneinander zu stehen. Kein Siegerlächeln. Weder bei ihm, auch nicht bei mir. Es ist nicht unbedingt die Freude, die wir von anderen Eisen kennen, mit der die Versys begeistert. Viel mehr ist es diese unendliche Gelassenheit, die dieses Motorrad verbreitet. Und das Tourenpaket, das auf der Test-Kawa montiert ist.

Die Seitenkoffer fassen 28 Liter und sind komplett in das Design der Maschine integriert. Bevor man durch die Stadt düst, wo man sich gerne einmal zwischen den Kolonnen durchschwindelt, nimmt man sie aber trotzdem besser runter. Das Topcase, das 47 Liter fasst, tut’s am Weg in die Arbeit auch. Die Handprotektoren schützen nicht nur, sondern schauen auch noch fesch aus. Wie die Leiste im Topcase, die den Eindruck einer großen Bremsleuchte macht – aber dann leider doch keine ist.

Die Versys 1000 wurde leichter, hat nun größere Bremsen, ein Windschild, das man einfach verstellen kann, 17-Zoll-Räder und ein neues Fahrwerk. Und sogar einen Hauptständer hat die große Versys nun serienmäßig. Richtig fein sind die LED-Scheinwerfer, die zum Grand Tourer-Paket gehören. So gesehen ist es schon fast wieder schade, dass man sie eigentlich eh nicht braucht, außer wenn man nächtens, mit 200 Sachen, durch Sibirien fetzen will. Aber gut, die Suchscheinwerfer schaden sicher nicht, und machen den Kawafahrer immerhin sichtbarer.

Gnädig und kommod

Lautfahrer ist man auf der Versys nämlich keiner. Die Antriebsgeräusche sind gut gedämpft, nerven nicht einmal auf der großen Tour. Obwohl, bei höheren Drehzahlen klingt der Motor etwas gequält und zugeschnürt. Im Vergleich zur den 160 PS starken Konkurrenten, von KTM bis Ducati, fühlt sich die Versys auch so an. Aber vielleicht ist es genau die Art, wie sanft, leicht beherrschbar und dennoch kräftig die Versys beschleunigt, die fasziniert. Das raue Wesen, das man Kawasakis sonst nachsagt – dass man sich eine Kawasaki Untertan machen muss, wenn man sie fahren will –, das gibt es bei der Versys nicht.

Sie ist so gnädig, so kommod und ein bisserl bullig. Damit schürt man jetzt zwar nicht den Neid der KTM- oder Ducati-Besitzer. Schon gar nicht, mit den hässlich aufgesetzten Schaltern des Tourer-Pakets, die so gar nicht zu der sonst so schön designten Kawasaki passen. Dafür kommt man entspannt an, lässt die kleinen Hatzerl unterwegs ganz einfach aus und muss nicht jeden Radarkasten fürchten. Wenn man dafür gerne 17.289 Euro zahlt, wird man bei Kawasaki mit der Versys 1000 samt Grand Tourer-Paket bestens bedient. Wer noch zwei Tausender drauflegt, bekommt aber auch schon die Multistrada 1200. Die KTM 1050 Adventure ist sogar um 300 Euro billiger als die nackte Versys 1000 um 14.999 Euro. (Guido Gluschitsch, 20.5.2015)

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Kawasaki

  • Die neue Versys 1000 von Kawasaki sieht nun deutlich sportlicher aus. Seitenkoffer, Topcase und LED-Scheinwerfer gehören zum Grand Tourer-Paket, das 2.290 Euro extra kostet.
    kawasaki

    Die neue Versys 1000 von Kawasaki sieht nun deutlich sportlicher aus. Seitenkoffer, Topcase und LED-Scheinwerfer gehören zum Grand Tourer-Paket, das 2.290 Euro extra kostet.

  • Fast 50 Liter fasst das Topcase, beinahe 30 Liter die Seitenkoffer.
    kawasaki

    Fast 50 Liter fasst das Topcase, beinahe 30 Liter die Seitenkoffer.

  • Analoger Drehzahlmesser trifft auf Multifunktions-LCD.
    kawasaki

    Analoger Drehzahlmesser trifft auf Multifunktions-LCD.

  • Das Windschild lässt sich einfach und schnell, nicht aber elektrisch verstellen.
    kawasaki

    Das Windschild lässt sich einfach und schnell, nicht aber elektrisch verstellen.

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