Schienenverkehr: Die Verspätung nützen

Kommentar17. Mai 2015, 18:44
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Unangenehme Daten für Tunnelprogramme

Die Verspätung liegt, wie so oft im Schienenverkehr, an verzögerter Übergabe an der Grenze. Dass ausgerechnet Österreich, das allzu gern über die Transitbelastung in Alpentälern jammert, bei der Lieferung der Daten bummelt, darf nicht überraschen: Für die Tunnelbauer im Verkehrsministerium sind die Daten nicht angenehm, sie taugen nicht zur Untermauerung der Tunnel-Mania, der sich die Politik verschrieben hat.

Natürlich sind 1.640.000 Lkw, die durch Inn- und Wipptal von Italien nach Bayern (und umgekehrt) brausen, eine ebenso unzumutbare Belastung wie 586.000 Sattelschlepper auf der Tauernachse. Abgesehen von (rechtlich) möglichen und (gesundheitlich) notwendigen Beschränkungen zwecks Lärmschutzes, die Österreichs Verkehrsminister in den vergangenen 20 Jahren in Brüssel so gut wie nie ins Treffen geführt, geschweige denn ergriffen haben: Die sagenhaften Steigerungsraten in zehn oder zwanzig Jahren, mit denen Bahntunnelbauten in Österreich legitimiert werden, werden wohl nicht so bald eintreffen.

Die jüngsten Statistiken zeigen sogar, dass der alpenquerende Transit-Güterverkehr auf der Schiene im Wesentlichen nur in der Schweiz steigt. Jener auf der Straße stagniert, was an der Wirtschaftsschwäche Italiens liegt. Der Trend wird sich verstärken, wenn der Gotthard-Basistunnel in Betrieb geht. Ein guter Zeitpunkt, um über Modifizierungen des Monster-Tunnelprogramms nachzudenken. (Luise Ungerboeck, 18.5.2015)

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