Bahngüterverkehr über die Alpen stagniert

17. Mai 2015, 18:23
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Den vor der Finanzkrise erreichten Höchststand hat der alpenquerende Güterverkehr nicht wieder erreicht

Wien - Mit einiger Verspätung wurde soeben die Statistik über den alpenquerenden Straßen- und Bahngüterverkehr im Jahr 2013 veröffentlicht. Die vom Schweizerischen Bundesamt für Verkehr publizierte "Alpinfo" stützt sich auf offizielle Daten der Verkehrsministerien Frankreichs, Österreichs und der Schweiz - und gewährt Einblick in die langfristige Entwicklung.

So ist der Schienenanteil am gesamten alpenquerenden Güterverkehr auf dem "inneren Alpenbogen" gegenüber 2012 um 5,1 Prozent auf 39,6 Prozent gestiegen. Dieser innere Alpenbogen reicht von Mont-Cenis/Fréjus (von Frankreich nach Italien) über Mont Blanc, Simplon, Gotthard, San Bernadino bis zu Brenner- und Reschenpass in Österreich.

Straßengütertransporte gingen zurück

Die über diese Pässe geführten Gütertransporte (Straße und Schiene) blieben im vergangenen Jahrzehnt im Prinzip gleich hoch auf rund 101 Millionen Tonnen. Den Spitzenwert von 2006, 111 Millionen Tonnen, erreichte man nach der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht wieder. Und: Die Straßengütertransporte insgesamt gingen 2013 von 63 auf 61,2 Millionen Tonnen zurück, während die Schienengütertonnage von 38,3 auf 40,1 Millionen Tonnen gestiegen ist.

Im österreichischen Schienengüterverkehr über den Brenner schlug sich das kaum nieder, der stagnierte nahezu, stieg sanft von 11,2 auf 11,7 Millionen Tonnen. Die Schweiz hingegen, wo der Lötschberg-Basistunnel seit 2007 in Betrieb ist und im Herbst 2016 der Gotthard-Basistunnel für den Verkehr freigegeben wird, steigerte ihren Bahn-Frachtanteil im inneren Alpenbogen von 23,7 auf 25,8 Millionen Tonnen, während die auf der Straße transportierten Tonnen von 13,7 auf 12,8 Millionen zurückgingen. Letzteres ist freilich auch dem Fortschritt geschuldet, es waren weniger, aber schwerer beladene Sattelschlepper (1049 Lkws statt 1209 im Jahr 2012) im Einsatz.

Verschiebungen innerhalb der Sektoren

Vergrößert man den Betrachtungszeitraum und spannt alle Pässe von Ventimiglia (Grenzübergang von Frankreich nach Italien) bis Wien (mit Semmering und Wechsel) in den Alpenbogen C zusammen, sieht es wieder anders aus. Die im Jahr 2013 transportierten Nettotonnen stiegen gegenüber 2012 geringfügig von 190,1 auf 191,3 Millionen Tonnen. Der Rekord vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise mit 199,8 Millionen Tonnen wurde nie wieder erreicht. Innerhalb der Sektoren gibt es Verschiebungen: Der Straßengüterverkehr ging von 127,2 Millionen Nettotonnen (2012) auf 126,1 Millionen Tonnen zurück, während auf der Schiene 65,2 Millionen Tonnen befördert wurden (nach 62,8 Millionen Tonnen im Jahr 2012). Von dieser Steigerung im Jahr 2013 holte sich den größeren Teil die Schweiz, auf deren Gleisen 25,2 Millionen Tonnen geführt wurden, das sind um 1,5 Millionen Tonnen mehr als im Vergleichsjahr 2012.

Eine leichte Steigerung ist auch bei Österreichs Schienengütertransporten zu verzeichnen, mit einem Anstieg von 35,8 auf 36,3 bleibt dieser allerdings überschaubar. Die Bahnfrachtfahrten über den Brenner blieben nahezu gleich auf 11,7 Millionen Tonnen, jene auf der Tauernstrecke gingen von 8,4 sogar auf 7,9 Millionen Tonnen zurück. Auf der Semmering-Strecke, für die für den Bau des neuen Basistunnels langfristige Steigerungen um 157 Prozent vorausgesagt werden, wurden mit der Bahn 11,9 Millionen Tonnen geschleppt, während es 2012 nur 11,0 waren.

Aufgeschlüsselt nach Ländern zeigt die Statistik: Frankreich ist mit 15,1 Prozent Bahngüterverkehr auf dem inneren Alpenbogen abgeschlagen, während es die Eidgenossen auf 66,3 Prozent brachten und Österreich über den Brenner immerhin auf 28 Prozent. (Luise Ungerboeck, 17.5.2015)

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