Grahamer kritisiert Hypo-Zahlungsstopp

18. Mai 2015, 07:00
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Hypo-Vorarlberg-Chef kritisiert Heta-Zahlungsstopp und kündigt Klage an

Wien - Die Hypothekenbanken kommen derzeit ordentlich ins Schleudern. Neben den negativen Folgen der Heta-Abwicklung macht ihnen die Reform der Einlagensicherung zu schaffen. Laut Gesetzesentwurf werden nur Sparkassen und Raiffeisenbanken künftig über die notwendige Größe verfügen, die für ein eigenes Sparerschutzsystem notwendig ist. Volksbanken und Hypos gehen demnach im großen Rest auf.

Somit erklärt sich der Widerstand der Länder gegen die Reform, die auf einer EU-Richtlinie basiert. Die Landeshauptleutekonferenz hat bereits, wie berichtet, ein Njet zu den Änderungsplänen beschlossen. Michael Grahammer, Chef der Hypo Vorarlberg, spricht sich wegen der Entwicklungen für eine stärkere Koordinierung der Regionalbanken aus. Im von Instituten "im ausländischen Eigentum" dominierten Bankenverband (Bank Austria, Bawag) würden die regionalen Interessen untergehen, sagt er im Gespräch mit dem Standard.

Im Unterschied zu anderen Hypos konnten die Vorarlberger die Heta-Turbulenzen bisher einigermaßen verkraften, trotz Belastungen im Ausmaß von knapp 50 Millionen Euro konnte ein Gewinn von 41,3 Millionen Euro ausgewiesen werden. Dennoch wehrt sich Grahammer: Bei der Finanzmarktaufsicht wird eine sogenannte "Vorstellung" gegen den Zahlungsstopp der Heta durchgeführt, die einer Beschwerde gleichkommt. Der Banker geht davon aus, dass die anderen Hypothekenbanken und auch die Pfandbriefbank ebenfalls vorstellig werden.

Regierung hat Vertrauensverlust unterschätzt

Aus Grahammers Sicht hat die Regierung "den Vertrauensverlust infolge des Moratoriums komplett unterschätzt". Auf einer Investorenkonferenz in Zürich, die er kürzlich besucht habe, sei der Tenor gewesen: "Österreich greifen wir nicht mehr an." Das spüren nicht nur die Hypothekenbanken, die derzeit zwei Prozentpunkte mehr für die Kapitalaufnahme zahlen müssen als andere Institute. Auch die Großbanken litten untern den Folgen. Zwar säßen die österreichischen Banken derzeit auf ausreichend Liquidität, wenn allerdings neue Refinanzierungen anstehen, könnte es wegen der Risikoaufschläge eng werden, meint Grahammer: "Das torpediert die Finanzmarktstabilität." Sollte das Problem der Kärntner Haftungen nicht gelöst werden und eine Insolvenz des Bundeslandes folgen, befürchtet er einen Dominoeffekt für heimische Banken.

In die Bedrouille kommt auch das Land Niederösterreich, dessen Rating von der Agentur Moody's auf Watch gestellt wurde. Der drohende Verlust der Topbonität AAA ist nicht nur Folge der Heta, sondern auch der hohen Verschuldung. (as, 18.5.2015)

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