Krise in Mazedonien: Wegschauen hilft nichts

Kommentar17. Mai 2015, 18:03
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Abschied von europäischen Werten

Mazedonien hat, zeitgleich mit Kroatien, im Jahr 2005 den EU-Kandidaten-Status bekommen. Während der Nachbar im Norden seit 2013 Mitglied der Union ist, wird Mazedonien mittlerweile von einem autoritären Regime geführt, das sich von den europäischen Werten schon lange verabschiedet hat. Diese Entwicklung wurde seit Jahren dokumentiert. Doch die EU wollte sich nicht darum kümmern. Nur keine neuen Probleme! Mazedonien rangierte seit dem Ausbrechen der Finanzkrise auf der Wichtigkeitsskala in Brüssel vielleicht auf Platz 57. Doch es ist eben ein Irrtum, dass das Nichtlösen von Problemen irgendetwas bringt.

Die verschleppte Integration der südosteuropäischen Staaten in die EU und die Nato läuft nicht nur den ureigensten Interessen der Mitgliedsstaaten und der gesamten Union entgegen. Sie schafft auch Unsicherheit, gerade auf dem Balkan, und sie hat Russland geradezu die Option eröffnet, in der Region wieder mitzumischen.

Obwohl es gerade durch die Griechenland-Krise Möglichkeiten gegeben hätte, Athen im Namensstreit zum Einlenken zu bringen und Mazedonien vom Abrutschen in aggressiven Nationalismus zu bewahren, hat sich niemand engagiert. Nun will man die Regierung in Skopje damit bestrafen, dass die Beitrittsverhandlungen nicht mehr empfohlen werden. Man darf davon ausgehen, dass das diesem Regime mehr als wurscht ist. (Adelheid Wölfl, 18.5.2015)

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