Studie: Korruption ist in Spanien "günstig"

18. Mai 2015, 05:30
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Eine Studie widmet sich der Korruption in Chefetagen, für 70 Prozent der spanischen Firmenchefs ist Bestechung "Usus"

Nicht nur in der Politik ist Korruption in Spanien weit verbreitet. Auch wer Geschäfte macht, bringt im Regelfall nichtdeklarierte (Geld-)Geschenke mit. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Ernst & Young (EY), die Korruption in Chefetagen unter die Lupe nahm. Für 69 Prozent der spanischen Firmenchefs sind demnach "Bestechung und Korruption gewöhnliche Praxis".

Knapp die Hälfte nannten auch den Grund dafür: Es würde "das Überleben der Firma sichern". Mehr als die Hälfte (56 Prozent) erachtet daher die Manipulation der Geschäftszahlen als "Usus".

Zum Vergleich: In Österreich sind es 42 Prozent, in Deutschland 26 Prozent, in Dänemark nur vier. Als noch korrupter sind nur kroatische (92 Prozent), slowenische (87 Prozent) und portugiesische Firmenchefs (82 Prozent) im EY "Fraud Survey 2015" vermerkt.

Kaum Konsequenzen

"Die Ergebnisse fallen in Großunternehmen und Konzernen noch schlechter aus", sagte Studien-Koautor Ricardo Noreña: "Dass Straffreiheit existiert, ist in Spanien die generelle Wahrnehmung." Als Conclusio liege außerdem nahe: Korruption ist "in Spanien günstig", selbst wenn sie gerichtliche Konsequenzen nach sich zieht. Auch deshalb, weil Schadenssummen nicht rückerstattet werden müssten. Und, wie die Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF) jüngst kritisierte, sei noch nie ein spanisches Unternehmen wegen Bestechung bei Auslandsaufträgen verurteilt worden.

Mit der Wirtschaftskrise wurden zwar Gesetze gegen jene Praktiken verschärft. Wirtschaftsdelikte werden seit Inkrafttreten des neuen Strafgesetzbuchs schärfer geahndet. Ein Viertel der Firmenchefs gab laut EY-Umfrage an, dass sich "ethische Standards in den vergangenen zwei Jahren verbessert haben". Interne Anlaufstellen zur Meldung unlauterer Geschäftspraktiken existieren aber nur in wenigen Konzernen. "Um Betrug, Bestechung zu bremsen, sind alle Akteure gefordert, auch die Firmen", sagt Noreña. (Jan Marot, 18.5.2015)

  • Der berühmte Geldkoffer kommt offensichtlich auch in Spanien gerne zum Einsatz.
    foto: apa/bpd

    Der berühmte Geldkoffer kommt offensichtlich auch in Spanien gerne zum Einsatz.

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