Dutzende Tote trotz geltender Waffenruhe im Jemen

17. Mai 2015, 16:42
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UNO-Sondergesandter forderte Verlängerung der Feuerpause

Sanaa/Riad - Trotz Waffenruhe sind bei Kämpfen im Jemen am Wochenende dutzende Menschen getötet worden. Bei einem Angriff der Houthi-Rebellen nahe der Stadt Taiz (Taes) wurden nach Behördenangaben in der Nacht auf Sonntag 14 Zivilisten getötet, in der Nacht zuvor waren laut Armee und Einwohnern bereits 26 Rebellen und 14 Soldaten getötet worden. Der UNO-Sondergesandte forderte eine Verlängerung der Waffenruhe.

Angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Jemen hatte die arabische Militärallianz unter der Führung Saudi-Arabiens eine Feuerpause ausgerufen, die am Dienstagabend begann und bis Sonntagabend (23.00 Ortszeit/22.00 Uhr MESZ) dauern sollte. Dadurch sollte die Verteilung von Hilfsgütern an die Zivilbevölkerung ermöglicht werden. Die Koalition hatte bereits im Vorfeld für den Fall von Verstößen durch die Houthi-Rebellen damit gedroht, ihre Luftangriffe wieder aufzunehmen.

Mehrere Zwischenfälle

Die Kämpfe vom Wochenende beschränkten sich unterdessen nicht nur auf das südjemenitische Taiz. Auch aus anderen Gebieten im Südjemen wurden Zwischenfälle gemeldet. In Dhalea wurden nach Angaben von Augenzeugen zwei Rebellen in einem Hinterhalt getötet. In der Provinz Shabwa drohten Stammesvertreter mit einem Angriff auf Ataq, das seit April in Rebellenhand ist. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die Stadt binnen 24 Stunden zu verlassen. Nachdem auch aus Aden vereinzelt Kämpfe gemeldet wurden, blieb es am Sonntag nach Angaben von Einwohnern der Hafenstadt ruhig, ebenso wie in der Hauptstadt Sanaa.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, die Hilfsleistungen dürften "nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden". Die Feuerpause im Jemen schaffe eine "dringend benötigte Gelegenheit, endlich die humanitäre Versorgung der Bevölkerung zu ermöglichen".

Von Hilfe abgeschnitten

Während in einigen Teilen des Jemen bereits Hilfslieferung eintrafen, warteten die Menschen in Taiz weiter auf Nahrung, Treibstoff und medizinische Ausrüstung. "Die humanitäre Hilfe hat Taiz noch nicht erreicht", sagte ein Regierungsvertreter. Auch andere Landesteile blieben vorerst von ausreichenden Hilfslieferungen abgeschnitten.

Ein vom Iran entsendetes Schiff mit Hilfslieferungen erreichte unterdessen trotz Warnungen der USA den Golf von Aden und soll laut iranischen Medienberichten am Donnerstag im Hafen einlaufen. Washington hatte die Besatzung aufgefordert, stattdessen ein UNO-Versorgungslager im nahegelegenen Dschibuti anzusteuern. Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die Houthis mit Waffen zu unterstützen. Teheran bestreitet dies.

Angesichts der Versorgungsprobleme rief der UNO-Sondergesandte für den Jemen, Ismail Ould Cheikh Ahmed, dazu auf, die Feuerpause um mindestens fünf Tage zu verlängern. "Diese humanitäre Feuerpause sollte zu einer dauerhaften Waffenruhe werden", forderte er bei einem Krisentreffen in Riad.

Der jemenitische Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi hatte vor dem Treffen in Riad erklärt, dieses stehe allen Parteien offen. Während die Houthi-Rebellen die Gespräche boykottierten, hatten Anhänger des 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh ihre Teilnahme zugesagt. Militäreinheiten Salehs zählen zu den Verbündeten der Houthis. Direkte Gespräche mit Saleh selbst wurden aber bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

Eine sunnitisch-arabische Militärallianz unter der Führung Saudi-Arabiens hatte am 26. März Luftangriffe gestartet, um den Vormarsch der schiitischen Houthis zu stoppen und dem nach Riad geflohenen Präsidenten Hadi zurück an die Macht zu verhelfen. Nach UNO-Angaben wurden im Jemen seit Ende März mehr als 1.500 Menschen getötet. (APA, 17.5.2015)

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